![]() |
Aktionsgemeinschaft
Solidarische Welt e.V. Potsdamer Straße 89 10785 Berlin Tel.: 030 - 25 94 08 01 Fax: 030 - 25 94 08 11 Email: mail@aswnet.de |
Projektinfo 205 / Senegal
Die ‚Association Jeunesse Education Formation', seit 2006 von der ASW gefördert, schafft für die Menschen in der Region Diourbel eine Perspektive auf dem Land. Die Abwanderung aus den Dörfern wird gestoppt. Mit Trainings und Seminaren sowie konkreten Aktionen hilft AJEF den Bauern bei der Umstellung auf eine nachhaltige und existenzsichernde Landwirtschaft. Die meisten Bauern sind durch die Vermarktung von Gemüse und Tieren sogar über das Subsistenzniveau hinausgelangt.
Gegenwärtig wird in acht Dörfern am Aufbau eines Dorfentwicklungskomitees
gearbeitet. Heute sind 400 Personen Mitglied, 80 Prozent von ihnen sind Frauen.
Es wird ein einmaliger Mitgliedsbeitrag von nur 500 CFA (knapp 1 €) bezahlt,
denn die Organisation soll so offen wie möglich sein. Jeder Ort ist mit
mindestens zwei Personen in der Organisation repräsentiert.
Die ASW hatte Ende des vergangenen Jahres eine Deutschlandrundreise mit Adama
Sarr organisiert. Das Interview mit dem AJEF-Koordinator entstand am 5. Dezember
2008
Adama Sarr: In den Dörfern gab es keine Lebensperspektiven für
die Menschen. Die Erträge der Landwirtschaft reichten nicht, um die Familien
das ganze Jahr über zu ernähren. Deshalb wurde die Abwanderung immer
stärker.
In der Landwirtschaft fehlte es an Arbeitsgeräten, die Bauern besaßen
keine Zugtiere (Pferde) und verfügten nicht über ausreichend Saatgut.
Das größte Problem allerdings war, dass die Böden vollkommen
ausgelaugt waren. Verschärfend kommt jetzt hinzu, dass die Regenzeiten
instabil und unkalkulierbar werden und damit auch die Erträge immer schwankender.
Zunächst einmal musste es uns darum gehen, die Böden so zu regenerieren,
dass sie überhaupt wieder Erträge abwerfen. Das haben wir mit der
Einführung von Kompostwirtschaft erreicht. Die Menschen haben jetzt in
ihren Gehöften Kompostbecken, in welche die Haushaltsabfälle, Viehdung
und Pflanzenreste der Felder hineingegeben werden. Diese Mischung ergibt dann
einen sehr guten Dünger für die Felder. Damit die Gruben nicht austrocknen,
sollten sie eineinhalb Meter tief sein. Die richtige Anlage und Pflege lernen
die Leute in unseren Workshops.
Dann mussten wir erreichen, dass die Bauern Agrarprodukte anbauen, die sich
auch vermarkten lassen. Sie brauchen ein gewisses Einkommen, um Dinge des
täglichen Bedarfs, Medikamente, aber auch Nahrungsmittel kaufen zu können,
wenn zum Beispiel die Hirseernte nicht ausreicht.
Wir haben den Anbau von Maniok eingeführt, der in unserer Region bis
dahin nicht populär war. Maniok lässt sich zurzeit zu guten Preisen
verkaufen, etwa im nahegelegenen Touba. Mit einem Maniokfeld lassen sich 1,5
bis 1,8 Mio CFA pro Jahr (2.286 bis 2.743 Euro) verdienen.
Nein, so einfach ist das nicht. In der Anlage sind Maniokfelder sehr teuer.
Außerdem bleibt es dabei, dass wir Maniok in Ergänzung zu anderen
Feldfrüchten anbauen. Wir achten sehr auf Vielfalt. Auch innerhalb der
einzelnen Felder gibt es Mischkulturen.
Ein Feld muss eingezäunt sein, um Tiere von den Pflanzen fernzuhalten
und diese auch vor Wind zu schützen. Weil Stacheldraht für uns zu
teuer ist, pflanzen wir Hecken an, die mit Dornenzweigen verstärkt werden.
Auf die Felder setzen wir dann zum Beispiel Maniok in Kombination mit Jujuba-Bäumen.
Andere Bäume kommen durch den Schutz der Zäune quasi von selbst
wieder.
Wir können auf die Erdnuss nicht ganz verzichten. Sie liefert Öl für den Eigenverbrauch, außerdem sind ihr Stroh und ihre äußeren Schalen ein gutes Viehfutter. Wir bauen sie jetzt in Kombination mit der Augenbohne an, deren Stroh ebenfalls als Viehfutter taugt.
Zunächst ja. Aber wenn eine Organisation Anregungen gibt, dann haben nach und nach auch die Einzelnen kreative Ideen.
Heute sind die Frauen selbstbewusster als zu Beginn unserer Arbeit. Ganz
entscheidend hat dazu beigetragen, dass sie jetzt eigene Einkommen erzielen.
Zum Beispiel haben wir 700.000 CFA (1067 Euro), die wir von der ASW erhalten
haben, bei einer Frauenspar- und Kreditgruppe deponiert. Mit dieser Sicherheit
erhielt die Gruppe von Crédit Mutuel 8 Mio CFA-Francs - ca 12.195 Euro.
Und von dieser Summe wiederum konnten Kredite in Höhe von 200.000 CFA
(305 Euro) an einzelne Frauen vergeben werden.
Damit kann eine Frau in die Einzeltiermast einsteigen - zum Beispiel einen
Hammel kaufen, ihn mästen und dann auf dem Markt zu einem guten Preis
verkaufen. vor allem bei dem jährlichen Tabaski-Fest. Die Mast eines
einzelnen Tieres bringt unter dem Strich bis zu 70.000 CFA (107 Euro)
Eine Frau, die einen Kredit über diese Höhe erhält, tritt Männern
gegenüber selbstbewusster und stärker auf. Zurzeit beobachten wir,
dass sich das Kräfteverhältnis zwischen den Geschlechtern ändert.
Dazu tragen auch unsere verbesserten Herdstellen bei.
Seit unserer Einführung der verbesserten Herdstellen müssen die Frauen nicht mehr soviel Zeit ins Holz-Sammeln investieren und müssen nicht mehr so lange Wege zurücklegen. Die eingesparte Zeit kommt ihnen ganz direkt zugute. Sie können stattdessen unsere Workshops besuchen oder Alphabetisierungskurse. Oder sie können den oben beschriebenen wirtschaftlichen Aktivitäten nachgehen, durch die sie von den Männern unabhängiger werden.
Das ist sehr unterschiedlich. Einige finden es rundum gut, dass die Frauen jetzt aktiver sind. Einige haben natürlich Sorge um ihren Status. Diese Männer ziehen es vor, wenn die Frauen ihr selbst erwirtschaftetes Geld nicht in die Familie stecken, sondern eher wieder in ihr Geschäft investieren. Die Versorgung der Familie ist nämlich Sache der Männer, und wenn die Frau diese Aufgabe übernimmt, schwächt das die Stellung des Mannes.
Zunächst möchte ich noch einmal betonen, dass die Menschen dank
unserer Arbeit in den letzten Jahren über das Subsistenzniveau hinausgelangt
sind. Mit dem Geld aus Gemüse- und Mastviehverkauf konnten sie auf dem
Markt Reis, Öl und Zucker kaufen. Von dem Anstieg der Preise für
diese Güter sind sie natürlich direkt betroffen. Gleichzeitig ist
aber auch der Preis für Maniok und Hirse gestiegen. Und wie ich schon
gesagt hatte, unsere Produktion von Maniok haben wir ausgeweitet.
Unter dem Strich haben wir gut und schnell auf die neue Entwicklung reagiert.
Leider können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen,
wie unsere Maniokernte ausfällt. Maniok wird, anders als Hirse, nicht
mit Beginn der Regenzeit gepflanzt. Der Anbau ist ziemlich unabhängig
von den Jahreszeiten. Die Wurzelknolle braucht kaum Wasser, nach neun Monaten
kann man sie ernten.
Zu unserer Hirseernte (Ende 2008) müssen wir leiden sagen: Sie war schlecht.
Wir haben daher keinen Überschuss, den wir verkaufen können und
bei dem wir von den guten Preisen profitieren. Im Gegenteil: wir werden im
Laufe des Jahres 2009 vermutlich Hirse dazukaufen müssen.
Der Grund ist die zu kurze Regenzeit in 2008. Die Regenzeiten werden, wie
ich schon gesagt habe, immer unkalkulierbarer.
Bitte unterstützen Sie die Arbeit von AJEF, damit die Bauern in ihren
Dörfern wieder eine Perspektive haben.
| Kennwort: Umweltfonds Afrika Kenn-Nr.: 8003 Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | |
| Bank für Sozialwirtschaft | |
| Kto. 1250700 BLZ 10020500
|
IBAN: DE69100205000001250700 BIC/SWIFT: BFSWDE33BER
|
[ Start ] [ Wir über uns ] [ Aktuelle Ausgabe ] [ Archiv ] [ Projektinfos ] [ Abonnement ] [ Impressum ] [ Druckversion ]