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Aktionsgemeinschaft
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Seit November 2008 gehört die ASW einem Bündnis an, das sich "Freunde
des Weltagrarrates (IAASTD)" nennt. Ziel unseres Kreises ist, die Kernbotschaften
der großen internationalen Landwirtschaftsstudie*, die dringend zur
Abkehr von der Intensivlandwirtschaft rät und die Bedeutung bäuerlichen
Wissens akzentuiert, noch weiter zu verbreiten. Außerdem sollen Entscheidungsträger
in Entwicklungs- und Landwirtschaftspolitik auf sie verpflichtet werden.
Gleich am 15. Januar, am Tag der Pressekonferenzen der "Grüne Woche",
wurden die "Freunde" aktiv und überreichten der deutschen Landwirtschaftsministerin
Ilse Aigner ein Exemplar des IAASTD-Berichtes. Aigner wurde aufgefordert,
die Bundesregierung zum Unterzeichnen des von 400 angesehenen Wissenschaftlern
erstellten Dokuments zu bewegen.
Bislang verfolgt das BMELV exakt das vom Agrarbericht als Sackgasse für
die Welternährung ausgewiesene "Business als usual". Es überraschte
nicht, dass Aigner auf der Pressekonferenz von Agrarministerium und Bauernverband
auf die großen Exporterfolge der deutschen Agrar- und Ernährungsbranche
verwies. Mit einem Volumen von 53 Mrd Euro und einer Steigerung um 15 Prozent gegenüber
dem Vorjahr haben die Exporte 2008 ein Rekordniveau erreicht.
Eine Stunde, bevor Aigner vor die Presse trat, hatte das "Agrarbündnis"
von Öko-Erzeugern, Tierschutzvereinen und Umweltverbänden das Wachstumsmodell
der Intensivlandwirtschaft aufs Korn genommen. Der Zusammenschluss nutzt die
Grüne Woche seit 17 Jahren, um der Presse seinen jährlich aktualisierten
kritischen Agrarbericht ** vorzustellen und Journalisten mit Hintergrundinformationen
zu versorgen. In diesem Jahr wurde der Beitrag der industriellen Landwirtschaft
zum Klimawandel beleuchtet.
Das Fazit: Rechnet man Dünge- und Pflanzenschutzmittelproduktion mit
ein, verursacht die Landwirtschaft derzeit 12 bis 32 Prozent der weltweiten
Treibhausgas-Emissionen. In Deutschland liegen die Emissionen der Landwirtschaft
bei 13 Prozent der Gesamtemissionen. Besonders klimaschädlich ist die
Nutztierhaltung: Sie erzeugt, so Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund,
mehr Treibhausgase als der Verkehrssektor zu Lande. Das liegt vor allem am
Futterbedarf der Großbetriebe für Milch- und Fleischerzeugung.
Eiweißhaltige Futtermittel wie Soja legen nicht nur Tausende von Kilometern
zurück, bevor sie in die Tiermägen gelangen, sondern werden zu einem
erheblichen Teil auf gerodeten Regenwaldflächen angebaut.
Agrarbündnis-Mitglied Hubert Weiger kritisierte, dass die Exporterfolge
des deutschen Milch- und Fleischsektors mit dem Verlust südamerikanischer
Regenwälder erkauft seien. Man solle nicht außer acht lassen, so
der BUND-Vorsitzende, dass 20 Prozent des Klimawandels auf die Vernichtung
der Tropenwälder zurückgehen.
"Business as usual is not an option!" - dies war wohl das am häufigsten
verwendete Zitat auf einer Veranstaltung des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) am 11. Februar 2009, in der Wissenschaftler,
Mitarbeiter des BMZ und Nichtregierungsorganisationen Stellung zum Weltagrarbericht
nahmen. Dabei wurde sehr deutlich, dass das BMZ den Erkenntnissen des Weltagrarrates
näher steht als das Agrarministerium.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nannte in ihrer Einführung
sieben Punkte, in denen die Politik des BMZ schon lange mit den Vorschlägen
des Weltagrarrates übereinstimme. Sie hob die Bedeutung der Kleinbauern
für die Landwirtschaft und lokale Sicherung der Ernährung hervor
und betonte, dass Investitionen in landwirtschaftliches Wissen nicht auf Kosten
der Förderung von Frauen und Kleinbauern eingesetzt werden dürfen.
Im Gegenteil: diese müssten bei der Bewältigung des Klimawandels
unterstützt werden, zum Beispiel durch Bildungsmaßnahmen und die
Verhinderung von Patentgesetzen zugunsten der Agrar-Industrie. Die Würdigung
des bäuerlichen Wissens in seinem Bericht sei ein großes Verdienst
des Weltagrarrates.
Die Ministerin sprach sich auch dafür aus, ungerechte Handelspolitiken
zu beenden, bis spätestens 2013 müsse jede Exportsubventionierung
durch die EU wegfallen. Innerhalb der Regierung suche man den Dialog mit dem
Agrarministerium. Am Ende der Veranstaltung - nachdem die fehlende Unterzeichnung
des Berichts durch die Bundesregierung wiederholt von den anwesenden NGO-Vertretern
angesprochen worden war - versprach sie, sich innerhalb der Regierung für
die Unterzeichung einzusetzen.
* Über den 2008 veröffentlichten Weltagrarbericht
(IAASTD) haben wir in der SW 204 ausführlich berichtet.
** ‚Der kritische Agrarbericht' präsentiert Hintergrundberichte
und Positionen zur Agrardebatte in Deutschland
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