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Aktionsgemeinschaft
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Projektinfo 192 / Indien
September 2005: Fast ein Jahr nach dem Tsunami zieht ein Zyklon mit sintflutartigen Regenfällen über den Bundesstaat Andhra Pradesh und vernichtet in zehn Distrikten tausende von Existenzen. Neben der Küstenregion ist der Khammam-Distrikt am stärksten betroffen. Der Godavari-Strom trat über seine Ufer, riß Häuser mit sich und überspülte die Ernte. Kanäle, Dämme und andere für die kommerzielle Erschließung des Landes gebaute Infrastruktureinrichtungen waren den Wassermassen wieder einmal nicht gewachsen. Aus dreihundert Adivasi-Dörfern (Indigene) in Khammam wurden schwere Flutschäden berichtet. Über ein lokal verankertes Katastrophen-Netzwerk haben ASW und CWS sofort begonnen, Nothilfe- und Rehabilitierungsprogramme vor allem für die betroffenen Adivasidörfer zu finanzieren.
Ebenfalls in der Region Khamman unterstützt die ASW die Organisation BSS, die mit Adivasis der Banjara-Tribes (Tribe = Stamm) arbeitet. Seit Jahren schon kämpfen die Bewohner der BSS-Dörfer gegen extreme Widrigkeiten. Die Region ist als Tribal-Area ausgewiesen. Laut Verfassung und per Gesetz ist der Staat verpflichtet, die registrierten Stämme in solchen Gebieten finanziell zu fördern und ihnen eine autonome Verfügung über Land und Ressourcen zu gewähren. Aber in den Banjara-Dörfern kamen lange keine staatlichen Fördermittel an und die Ressourcen werden von Nicht-Adivasi ausgebeutet. Verschärft wurde die Situation in der BSS-Region in der jüngsten Vergangenheit durch eine sich über sechs Jahre erstreckende Dürre.
Ein halbes Jahr vor dem Zyklon lagen in den 14 Dörfern, in denen BSS aktiv ist, in Folge der Dürre 5000 Hektar Land brach. Viele junge Menschen müßten abwandern, sagt ein Bauer. Es gäbe aber Leute hier, die seien von der Dürre nicht betroffen, ergänzt Jogaram, der Koordinator von BSS. Er weist auf die beiden Berge, die rund einen Kilometer entfernt vom Dorf Balia-Thanda aus der Ebene ragen. Dort sei vor einigen Jahren ein ‚Tank' - ein Wasserspeicher gebaut worden. Die grünen Flächen am Fuße des Berges zeugen davon, dass der Speicher auch in der aktuellen Dürrezeit über genügend Wasser verfügt. Aber alle der bewässerten Felder würden Nicht-Adivasi gehören, sagt Jogaram.
Jogaram sieht eine weitere Herausforderung auf BSS zukommen. Verwandte des derzeitigen Chiefministers von Andhra Pradesh planten, in der Region der beiden Berge Eisen auszubeuten. Zwar dürfe hier, wie in allen ausgewiesenen Tribal-Regionen, kein Land an Nicht-Adivasi verkauft werden. Aber wenn der Staat die Minen betreiben wolle, würde dieses Gesetz, wie vergleichbare Fälle zeigten, einfach umgangen, so Jogaram. BSS bereite sich bereits auf Demonstrationen und Rechtsstreits vor.
Seit Wechsel des Districtcollectors (für den Distrikt zuständiger
hoher Regierungsbeamter) sind auch bereits von BSS gefeierte
Projekterfolge
wieder in Frage gestellt. Über rechtliche Interventionen und
wiederholtes
Vorsprechen war es BSS gelungen, für die BSS-Dörfer zuvor verweigerte
staatliche Fördergelder einzufordern. Für die 14 Dörfer wurden
Trinkwasserspeicher gebaut, die Regierung eröffnete zwei Schulen und
bewilligte aus dem Hausbauprogramm für arme Familien 150
Ziegelsteinhäuser.
Der neue Districtcollector hat diverse Zusagen an die Adivasi jedoch
wieder
zurückgenommen oder eingefroren. Die bereits erfolgreich am Markt
etablierte
Nähschule für Adivasikunst musste ihren Betrieb vorläufig einstellen
und läuft jetzt selbstfinanziert in kleinerem Rahmen weiter. Der Bau
eines Internats für Mädchen aus abgelegen Dörfern wurde aufs
nächste Haushaltsjahr verschoben.
Aber der Kampf von BSS mit den Behörden um die
Dorfentwicklungsmaßnahmen
geht weiter.
Ob die von BSS organisierten Adivasi sich in diesem fast aussichtslosen Kampf gegen die staatlichen und kommerziellen Interessen und die Naturgewalten behaupten können hängt sicherlich auch davon ab, wieweit indische Gruppen und Bewegungen weltweit Druck auf die indische Regierung machen, damit diese endlich die verbrieften Rechte der Adivasi umsetzt. Für die ASW ist der direkteste Weg die Unterstützung der Organisation BSS, die hartnäckig und mit langem Atem für die Rechte der benachteiligten Banjara-Adivasi kämpft und deren Kampf auch schon Erfolge hatte.
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Auch das aktuelle Polavaram-Staudamm-Projekt in Andhra Pradesh, dessen Stausee sich auf den Khammam-Distrikt erstrecken wird, hebelt Gesetze zum Schutz von Tribal-Land aus. Innerhalb der Markierung für den Stausee leben mehrheitlich Adivasi. Insgesamt 276 Dörfer sollen geflutet werden. Profitieren werden von dem Projekt andere als die Adivasi: Ein geplanter Kanal soll Trinkwasser in die nördliche Küstenregion liefern und zudem das Stahlwerk Vizag mit Wasser versorgen. |
| Kennwort: Perspektivenfonds Indien Kenn-Nr.: 9091 Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | |
| Bank für Sozialwirtschaft | |
| Kto. 1250700 BLZ 10020500
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IBAN: DE69100205000001250700 BIC/SWIFT: BFSWDE33BER
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