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Aktionsgemeinschaft
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Projektinfo 206 / Indien
Das Kolleru-Becken unweit der Küste von Andhra Pradesh war schon immer eine gottverlassene Region. Wasser-, Sumpf- und Landflächen erstrecken sich über 245 Quadratkilometer und bilden nahe der Flüsse Krishna und Godavari einen natürlichen Puffer für Überschwemmungen.
Seit Menschengedenken versuchen hier arme Bevölkerungsgruppen wie
Kastenlose und Fischer mit traditionellem Fischfang, etwas
Landwirtschaft und Viehzucht ein Auskommen für ihre Familien zu finden.
1956 erhielten sie von der Regierung etwas Land zur eigenen Nutzung
zugesprochen.
1978 begannen große
Fischproduzenten, die lokale, meist arme Bevölkerung finanziell zu
ködern und weite Teile ihrer Landstücke für die Errichtung von
Aquakulturen zu pachten. An Devisenerwirtschaftung interessiert,
unterstützte die Regierung diese Investoren. Auch den Dorfbewohnern im
Kolleru-Becken selber entstand so durch Pachterträge ein geringes
Einkommen.
Die Aquakulturen nahmen 2001 rund 40 Prozent des Beckens ein. Das führte dazu, dass es seine Funktion als natürlicher Wasserpuffer nicht mehr erfüllen konnte. Durch die höher als der See gelegenen Wasserbecken überstieg der Wasserpegel bei Überschwemmungen frühere Werte um ein Vielfaches. Ganze Dörfer müssen nun bei jedem Monsun vor den Wassermengen flüchten.
Außerdem wurde die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen des Beckens immer schwieriger. Es gibt nur noch wenig Land, das landwirtschaftlich genutzt werden konnte. Die wenigen Arbeitsplätze, die die Fischzucht bietet, konnten das nicht ausgleichen.
Das Kolleru-Becken ist ein einzigartiges Ökosystem, das zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten Unterkunft bietet. Auch für zwei Millionen seltener Zugvögel ist das Becken eine wichtige Zwischenstation. Dies hatte auch die indischeRegierung erkannt und 2002 eine 308km² große Fläche zu einem international anerkannten Wasserschutzgebiet erklärt. In der Folge wurden Aquakulturen sowie alle anderen Nutzungen des Kolleru-Beckens verboten.
Diese auf den ersten Blick begrüßenswerte Umweltschutzmaßnahme führte zwar zur Abwanderung der Fischindustrie. Aber für die im Kolleru-Becken lebenden armen Menschen hatte sie verheerende Auswirkungen. Ihre Landnutzungsrechte wurden ihnen komplett entzogen. Die bis dahin in bescheidenem Umfang betriebene traditionelle Landnutzung sowie der Fischfang sind den Seeanwohnern jetzt komplett verwehrt. 14.000 Familien der Vaddi (Fischer) verloren ihre Lebensgrundlage. Nur ein Bruchteil der Betroffenen erhielt finanzielle staatliche Entschädigungen. In der Regel sind es gerade die ärmsten und am wenigsten durchsetzungsfähigen Menschen, die bei solchen Programmen leer ausgehen.
So wurden ganze Familien in die Arbeitsmigration gezwungen – manche verlassen temporär, manche für immer die Region. Die Lage der Migranten am neuen Wohnort – meist inoffizielle Migrantensiedlungen - ist prekär. Denn dort sind sie nicht behördlich registriert und erhalten entsprechend kein Wahlrecht, keine Gesundheits- und Sozialleistungen und keinen Zugang zu Schulen.
Die Organisation CCWS - Comprehensive Community Welfare Society - versucht daher, der armen Bevölkerung des Kolleru-Becken eine Perspektive zu geben. Eine Gruppe von Dalits schloss sich 1999 zu diesem Zweck zusammen und gründete die CCWS. Seit kurzem gibt es einen von der ASW finanzierten Mitarbeiter, der die Aktivitäten der weiterhin ehrenamtlich arbeitenden Gruppe koordiniert und effektiver vorantreiben kann. In ihrer langjährigen Arbeit haben die Mitglieder von CCWS gute Kontakte zu Regierungsvertretern entwickelt. Durch diese versuchen sie auch zu erreichen, dass den kleinen Fischern und Bauern ihre traditionellen Nutzungsrechte im Seegebiet zurückgegeben werden. Denn diese haben im Unterschied zu den Aquakulturen das ökologische Gefüge des Sees nicht gestört.
In Workshops vermittelt CCWS den Bauern und Fischern auch, wie sie durch Kooperativenbildung ihre Produkte künftig besser vermarkten können. Außerdem erwerben die Betroffenen hier ein Verständnis für ihre Rechte und für das Unrecht, das ihnen widerfahren ist. So können sie künftig gegenüber staatlichen Akteuren und konkurrierenden Fischproduzenten überzeugender auftreten.
Auf Grundlage der Gemeindeselbstverwaltung können die Betroffenen
Überschwemmungsschutzmaßnahmen beschließen und ausführen. Hier ist
nicht nur die Zusammenarbeit der 120 Dörfer im Kolleru-Becken
notwendig, sondern auch die Kooperation mit den umliegenden Gemeinden
und Industrieansiedlungen.
In ökologischen Schulungen werden Konzepte für eine nachhaltige
Koexistenz von Menschen und Umwelt entwickelt. Zum Beispiel überwuchern
inzwischen aus Europa eingeschleppte Wasserhyazinthen fast den
gesamten See. Aus der Vogelperspektive sind kaum noch Wasserflächen zu
erkennen. Für den Schutz des Sees ist es daher sinnvoll, die
Wasserflächen von den sich ausbreitenden Pflanzen zu befreien. So
verbessern sich die Lebensbedingungen für Süßwasserfische und der
Fischfang wird ertragreicher. Die entfernten Pflanzen sind zugleich
Grünfutter für Tiere.
Das Konzept von CCWS und ASW kommt hier voll zum Tragen: Umweltschutz ist nur sinnvoll, wenn sowohl Menschen als auch die Umwelt nachhaltig von den verschiedenen Schutzaktivitäten profitieren. So können die Menschen erkennen, dass die ergriffenen Maßnahmen ihr langfristiges Überleben sichern. Und dass hierfür das ökologische Gleichgewicht des Sees und damit der ganzen Region gewahrt bleiben muss.
Wir bitten um Ihre Unterstützung für die Menschen und die Umwelt am Kolleru-See!
| Kennwort: Umweltfonds Indien Kenn-Nr.: 9080 Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | |
| Bank für Sozialwirtschaft | |
| Kto. 1250700 BLZ 10020500
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IBAN: DE69100205000001250700 BIC/SWIFT: BFSWDE33BER
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