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Projektinfo 207 / Indien

Ledergerbereien bedrohen Leben und Gesundheit der Menschen in Bholakpur

Das Community Development Centre (CDC) setzt sich für die Rechte von GerbereiarbeiterInnen ein

 

Mindestens 16 Tote, Hunderte Einlieferungen ins Krankenhaus, Tausende Betroffene – das ist die traurige Bilanz einer Krankheitswelle im Stadtteil Bholakpur mitten im Zentrum von Hyderabad, nahe dem berühmten Stadtsee. Verunreinigtes Trinkwasser hatte im Mai 2009 bei den Bewohnern schwere Magen-Darm-Entzündungen, Cholera und weitere Krankheiten ausgelöst.

Die Verantwortung für die Wasserverschmutzung tragen die Ledergerbereien der Gegend. Sie lassen Reste der im Gerbprozess eingesetzten Chemikalien einfach in die Umgebung ab. Diese versickern in den Boden und lassen Trink- und Abwasserrohre korrodieren. So wird das Trinkwasser vergiftet.

Seither muss das Wasser mit Tankwagen herbeigeschafft werden, denn aus den Trinkwasserrohren kommt nur verseuchtes Wasser. Die Bewohner Bholakpurs klagen über die mangelhafte und dazu auch noch teure Wasserversorgung - nur einmal in vier Tagen kommen die Tankwagen.

Bholakpur wird wegen des Stadtsees und einer Buddhastatue auch von Touristen besucht. Seine Bewohner sind aber vorwiegend arm und zählen mehrheitlich zur muslimischen Gemeinschaft. Auch das Ledergeschäft ist traditionell den untersten und ärmsten Schichten überlassen, meist den Dalits. Deren Stärkung hat sich unsere Partnerorganisation Community Development Centre (CDC) zur Aufgabe gesetzt. Die GerbereiarbeiterInnen gehören zur Gemeinschaft der Madiga, die aufgrund ihres traditionellen, als schmutzig geltenden Kastenberufes seit jeher marginalisiert sind.

Im handwerklichen Verfahren gerbten sie früher das Leder mit Naturstoffen wie Urin und Extrakten aus Blättern und Rinden. Heute sind sie unter höchst gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen in Großgerbereien beschäftigt. Ohne Schutzkleidung kommen ihre Körper mit den giftigen chemischen Gerbsubstanzen in Berührung - Magengeschwüre, Asthma, schwere Hautkrankheiten, Fehlgeburten sind die ganz alltäglichen Folgen. Die kastenlosen ArbeiterInnen jedoch haben oftmals keine Alternative, als in den Gerbereien zu arbeiten. Eine bloße Schließung würde ihnen nicht helfen.

 

Verlagerung der Gerbereien ist keine Lösung

Die fünf Gerbereinen in Bholakpur sollten erstmals 2006 geschlossen werden, nachdem Tierabfälle bei den Bewohnern ein Fieber ausgelöst hatten. Aber die Anweisung des Andhra Pradesh Pollution Control Board (APPCB) blieb wirkungslos. Die Gerbereibesitzer machten illegal weiter und waren sich sogar der Zustimmung der sonst von Arbeitslosigkeit bedrohten Lederarbeiter und aller Profiteure des Ledergeschäfts sicher.

Nach dem neuerlichen Vorfall von Mai 2009 nahm der Regierungschef Andhra Pradeshs einen neuen Anlauf zur Schließung der illegalen Betriebe. Diesmal hatten auch Freizeitunternehmen, die am Teich Bootsfahrten anbieten, und besser gestellte Bewohner Bholakpurs Druck ausgeübt. Sollte es zu einer Verlagerung kommen – am neuen Standort Bhongir hat eine Gerberei schon den Betrieb aufgenommen-, würden Umweltprobleme und Gesundheitsgefährdung lediglich 60 Kilometer flussabwärts in eine ländliche Region verschoben.

CDC ist daher in die Aufklärungsarbeit über die Umweltbelastung durch Großgerbereien eingestiegen - egal, ob sie im städtischen Umfeld oder auf dem Land produzieren. CDC fordert von der Regierung eine strenge Kontrolle aller Produktionsabschnitte sowie strenge Auflagen zur Abfall- und Abwasserbeseitigung und zum Schutz der Anwohner und der Beschäftigten in den Betrieben.

CDC unterstützt außerdem die gewerkschaftliche Organisation der ArbeiterInnen, damit diese von ihren ‚Arbeitgebern’ einen besseren Arbeitschutz und auch bessere Löhne fordern können. Gleichzeitig will CDC ihnen in Workshops Wissen darüber vermitteln, wie sie sich selbst bei der Produktion besser schützen können.

Trainings und Ausbildung zur weiteren Qualifikation bietet CDC jetzt schon an. Ein Ansatzpunkt ist dabei, den Madigas Fertigkeiten zu vermitteln, mit denen sie außerhalb der industriellen Gerbereien zur traditionellen Ledergerberei zurückkehren können.

Ob die Ledergerbereien künftig am neuen Standort Bhongir produzieren oder weiterhin illegal in Bholakpur – die GerbereiarbeiterInnen müssen unterstützt und ihre Arbeitsbedingungen verbessert werden. Die ASW will dem CDC bei dieser wichtigen Arbeit zur Seite stehen.

Spenden Sie, damit CDC seine Arbeit ausbauen und seine Kampagnen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz bis zum Erfolg weiterführen kann!

Kennwort: Umweltfonds Indien
Kenn-Nr.: 9080

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 

 


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