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Aktionsgemeinschaft
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„Ich habe neue Freunde gewonnen, habe meinen Horizont erweitert, habe von anderen ASW-Partnerinnen Neues gelernt, das ich auch in Indien ausprobieren will. Ich werde jetzt noch mehr versuchen, global zu denken und lokal zu handeln.“ (Devi Kalyani im Rückblick auf ihre Deutschlandreise)
Unsere Kampagne „Frauen am Ball - Anstoß für Frauenrechte weltweit“ ging in der dritten Juliwoche mit der Abreise unserer Partnerinnen Creuza Maria de Oliveira vom Dachverband der Hausangestelltengewerkschaften in Brasilien, Devi Kalyani vom Centre for World Solidarity, CWS, aus Indien und Awa Fall Diop von ORGENS, Senegal, zu Ende. Zwei Wochen lang - während der Frauenfußball-WM - hatten wir diesen und uns vollen Einsatz abverlangt und mit vereinter Kraft einem deutschen Publikum einen Eindruck von gelebtem Engagement für Frauenrechte vermittelt. Fünf Fußball-Lounge-Termine in Berlin mit Podiumsdiskussionen zu Frauenrechtsfragen, 15 Abendveranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten, eine in Wien, Zugreisen kreuz und quer durch die Republik - das Programm war voll bis zum Anschlag. Doch die Diskussionen, die wir erlebt haben, der Austausch unserer Partnerinnen untereinander, ihre Gespräche mit SpenderInnen und ASW-Interessierten und – last but not least – die gute Laune, mit der sie in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, geben uns recht, dass der Kraftakt sich für alle Beteiligten gelohnt hat.
Zum Schluss wollen wir hier jenen Dank aussprechen, die neben unseren Partnerinnen wesentlich zum Gelingen dieser drei Ausnahmewochen beigetragen haben - unseren LänderreferentInnen und den Mitarbeiterinnen des Frauen am Ball Teams.

Befähigt die wirtschaftliche Förderung von
Frauen diese automatisch zu mehr
Teilhabe in der Gesellschaft? Wann zementieren Frauen durch ihr eigenes Handeln
Geschlechterstereotype und wie lassen sich diese überwinden? Wo gibt es in der
Berufswelt noch klare Männerdomänen und wie können Frauen diese aufbrechen? Um diese
zentralen Fragen kreisten die Diskussionsveranstaltungen an fünf Terminen
während der Frauen-Fußball-WM in Berlin. Auf den Podien saßen neben den drei
Frauenrechtlerinnen aus Brasilien, Indien und dem Senegal
Sozialwissenschaftlerinnen, Publizistinnen und Aktivistinnen aus Deutschland.
Devi
Kalyani wies in allen ihren Statements auf die zentrale Bedeutung der
Selbstorganisierung von Frauen hin. Nur Frauen, die gemeinschaftlich handeln,
können insgesamt ihre Stellung in der Gesellschaft verbessern. „Was sie dann
mit ihrer Arbeit erreichen, hat oft Vorbildcharakter für andere. Es werden
immer mehr, die sich wehren wollen,“ beschrieb Kalyani ihre Erfahrung.
Auch die wirtschaftliche Förderung von Frauen zum
Beispiel durch Kleinkredite führe nur zum
Ziel, wenn die Kreditverwendung durch organisierte Frauen gemeinschaftlich
beraten wird. „Ideal ist es, wenn Frauen durch lokale NGOs auch zusätzliche Bildungsangebote erhalten und auch für
die politische Partizipation auf Gemeindeebene befähigt werden“, brachte
Kalyani die Position des CWS und damit die Position der ASW auf den Punkt.
Awa Fall, Koordinatorin von ORGENS, zeigte
sich ebenfalls überzeugt, dass die wirtschaftliche Förderung von Frauen allein
nicht zu stärkeren Frauen in der
Gesellschaft führt. „Damit Frauen anders auftreten, müssen wir sie motivieren,
aus ihrer Frauenrolle herauszutreten
und von ihren Rechten Gebrauch zu
machen.“
Am effektivsten sei es, diese Rollenmuster dort zu
bekämpfen, wo sie entstehen. „Wir setzen daher in der Schulbildung und
Erziehung an“, erläuterte am 9. Juli Diop die Arbeit ihrer Organisation. Dazu hat diese Comics und eigene
Unterrichtsmaterialien erarbeitet, in denen Männer Perückenmacher sind und
Frauen Automechaniker. „Wenn die Jungen nach der Arbeit mit diesen Schulbüchern
sagen: ich will später einmal Krankenpfleger werden und die Mädchen
Elektrotechnikerinnen, dann haben wir viel erreicht auf dem Weg zu einer gerechteren Gesellschaft“, so Diop.
Um das Aufbrechen von Rollenstereotypen geht
es letztlich auch in der Arbeit von Creuza Maria de Oliveira vom Dachverband
der brasilianischen Hausangestellten.
„Kollegen, insbesondere Metallgewerkschafter, erwarten bei großen
Gewerkschaftstreffen oft von uns, dass wir für sie Kaffee kochen“, berichtete
Oliverira. In der Männerdomäne Gewerkschaftsarbeit können Frauen daher nur einen
besseren Stand erreichen, wenn sie sich noch breiter vernetzen.
Wie weit die deutsche Gesellschaft bei der Gleichstellung der Geschlechter ist, wurde auf der ersten Lounge am 6. Juli diskutiert. Alexandra Scheele, Geschlechtersoziologin in Berlin und Potsdam, belegte mit Zahlen, dass Deutschland hier keinesfalls eine Insel der Seligen ist. Bei der Lohnungerechtigkeit etwa bilden wir mit einer im Durchschnitt 23 Prozent schlechteren Bezahlung von Frauen (Gender Pay Gap) fast das Schlusslicht in der EU. Weiter hinten sind nur Zypern und Estland. Im öffentlichen Dienst dagegen liegt der Gender Pay Gap nur bei 8 Prozent. Das sei ein Resultat klarer Vereinbarungen, sagte Astrid Hollmann vom Deutschen Frauenrat. Sie sei daher generell eine Freundin von Regeln und Frauenquoten.
Vov Frauengruppen im Süden lernen?
Ob allerdings eine Frauenquote – zum Beispiel für Frauen in Führungspositionen - alles ist, was Deutschland auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit noch braucht – für diese interessante Diskussion war auf den Podien keine Zeit. Alle Beteiligten werden diese Debatten wohl anderswo weiterführen und auch in der ASW gehen sie weiter.
Die ASW will grundsätzlich von ihren Partnern lernen. Nach den Gesprächen mit Devi, mit Creuza und Awa denken wir darüber nach, ob nicht alle Frauen in Deutschland - statt sich auf Frauenquoten zu fixieren - die Gemeinschaftlichkeit erlernen sollten, die uns von Frauengruppen im Süden vorgelebt wird. Denn gerade in jüngerer Zeit wird in unserem Land das Einzelkämpfertum von Karrierefrauen als Frauenemanzipation missverstanden.
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