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Aktionsgemeinschaft
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„Klickt hier und steht für das Recht auf sichere Nahrung auf. Schickt eure Message an den indischen Umweltminister.“ Mit dieser E-Mail bat uns unser indischer Partner Centre for World Solidarity (CWS), uns an einer Unterschriftenaktion gegen eine Gen-Aubergine aus dem Hause Monsanto zu beteiligen. Ihr kommerzieller Anbau in Indien war wenige Wochen zuvor von der zuständigen Behörde GEAC (Genetic Engineering Approval Committee) freigegeben worden.
Die Aubergine erhält das Gen eines Bakteriums, das toxisch auf bestimmte Insekten wirkt. Niemand kann sagen, wie sich dieses Gift langfristig auf den menschlichen Körper auswirkt. Immerhin hatten unabhängige Wissenschaftler bei Fütterungsversuchen mit Tieren Hinweise auf organische Veränderungen gefunden. Und sogar drei Mitglieder der als gentechnikfreundlich geltenden GEAC hatten die von Monsanto vorgelegten Sicherheitstests angezweifelt – sie waren allerdings von 17 Kollegen, die die Zulassung befürworteten, überstimmt worden.
Uns erschien eine Zulassung der transgenen Aubergine auf einer so dürftigen wissenschaftlichen Basis genauso waghalsig wie den Umwelt-, Bauern- und Konsumentengruppen, die in Indien nach der Entscheidung der Behörde zu Tausenden auf die Straße gingen und für ihr Recht auf sichere Nahrung demonstrierten. Also schickten wir unsere Protest-Mail an den indischen Umweltminister Jaraim Ramesh.
Und der setzte noch im Dezember die Zulassung für Bt-Brinjal, wie die Aubergine in Indien heißt, wieder aus. Nachdem er dann im Januar durch die Lande gereist war und in öffentlichen Anhörungen einen Eindruck von der Stimmung in der Bevölkerung gewonnen hatte, verkündete er am 9. Februar 2010 schließlich ein Moratorium. „Die Genaubergine darf solange nicht angebaut werden“, so Ramesh, „bis durch unabhängige Studien deren langfristige Sicherheit für Konsumenten und Umwelt zur Zufriedenheit der Öffentlichkeit und der Experten nachgewiesen ist.“
Zu dem breiten Bündnis, das so erfolgreich Druck auf die Politiker gemacht hat, gehören auch indische Kleinbauern, die von unserer Partnerorganisation CWS unterstützt werden. Deren Einwände gegen die transgene Aubergine BT-Brinjal gehen über deren mögliche Schädlichkeit für die menschliche Gesundheit hinaus. „Die Farmer fürchten, von dem Konzern Monsanto und seinem indischen Partner Mahyco gänzlich ihrer Souveränität beraubt zu werden“, informiert uns Uma Shankar vom CWS. „Sie wissen, dass Bt-Brinjal eine Gefahr für die über tausend traditionellen Brinjal-Sorten ist, die von Bauern seit Jahrhunderten entwickelt und gepflanzt werden.“
Mit der Verdrängung dieser spezifischen Sorten durch Bt-Brinjal würde auch das Wissen der Bauern um deren Pflege verschwinden. „Daher haben jetzt einige Farmer angefangen“, freut sich Uma Shankar, „die Eigenschaften der lokalen Brinjalsorten zu erfassen und dieses Wissen auch an andere weiterzugeben“.
Im Senegal macht eine andere ASW-Partnerorganisation eine vergleichbare Arbeit wie die CWS-unterstützten Bauern in Südindien. ASPSP, die Senegalesische Vereinigung der Produzenten bäuerlichen Saatguts, organisiert Saatgutmessen und führt Kleinbauern zusammen, damit diese traditionelles Saatgut und zugehöriges Wissen tauschen. Auf diese Weise stärkt ASPSP die Souveränität der Bauern. „Die Souveränität über Saatgut ist der Schlüssel zu Ernährungssouveränität“, ist sich der ASPSP-Koordinator Lamine Biaye sicher, den wir für diese Ausgabe der „Solidarischen Welt“ interviewt haben. (Seite 4)
Auch in Deutschland kämpfen Bauern um ihre Souveränität und um mehr Unabhängigkeit von multinationalen Saatgutfirmen. Zum Beispiel wehren sich Landwirte, die sich in der IG Nachbau organisiert haben, gegen sogenannte Nachbaugebühren. Diese werden seit 1999 von den Pflanzenzüchtern erhoben, wenn ein Bauer von seinem jahrhundertealten Recht Gebrauch macht, von der eigenen Ernte Saatgut zurückzuhalten, um es im kommenden Jahr auszusäen.
Weil die IG Nachbau auch für eine nachhaltige, gentechnikfreie Saatgutentwicklung kämpft, an der die Bauern beteiligt sind, kommt ihr Einsatz direkt den Konsumenten zugute. Auf Seite 6 stellen wir die Arbeit der IG Nachbau in einem Interview mit einem ihrer Sprecher, dem Saatgutvermehrer Klaus Buschmeier, vor.
In zwei weiteren Beiträgen dieser ‚Solidarischen Welt’ geht es ebenfalls um Ernährung: Maria do Rosario von der Bewegung der Babacu-Nussknackerinnen war auf Einladung der ASW in Deutschland und berichtete, wie Frauen in Brasilien die Ernährung sichern (Seite 7). Und schließlich geben wir einen Eindruck von einer Tagung in Berlin, auf der handels- und ordnungspolitische Rahmenbedingungen der Ernährungssicherung diskutiert wurden (Seite 8).
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