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Projektinfo 201 / Brasilien

Hausangestellte: Neue Gewerkschaft im brasilianischen Acre gegründet

Dreißig Jahre hat es gedauert bis auch der brasilianische Bundesstaat Acre eine Gewerkschaft für Hausangestellte bekommen hat. Für den feierlichen Gründungsakt im Dezember 2007 reisten engagierte Personen aus dem brasilianischen Senat, dem Frauenrat und dem Sondersekretariat für Frauen an. Sie würdigten die mühevolle Arbeit der Hausangestellten, die ihr eigenes Zuhause aufgeben, um das ihrer Arbeitgeber in Schwung zu halten. Die Vorsitzende des Dachverbandes FENATRAD, Creuza Maria de Oliveira, nutzte die Gelegenheit und gab einen Überblick über 70 Jahre gewerkschaftliche Arbeit. Trotz aller Schwierigkeiten ist es in den vergangenen Jahren gelungen, Mindeststandards zu etablieren und allzu offensichtliche Ausbeutung zu verbieten. So ist es nicht länger zulässig, etwa Kosten für Essen oder Hygieneprodukte vom Lohn abzuziehen. Geregelt ist mittlerweile auch ein Anspruch auf Feiertage, 30 Tage Urlaub und Kündigungsschutz für Schwangere. Nicht durchgesetzt werden konnten bislang Creuza Maria Oliveira, Vorsitzende des Dachverbandes der Hausangestelltengewerkschaftender Schutz bei Arbeitsunfällen und der gesetzliche Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung.

Creuza erinnerte allerdings auch daran, dass in Brasilien bis heute die wenigsten der schätzungsweise acht Millionen Hausangestellten einen Arbeitsvertrag besitzen. Das erschwert das Durchsetzen von gesetzlichen Ansprüchen enorm. Und hier wird auch der Hauptfokus der Arbeit liegen: Aufklärung über die Notwendigkeit geregelter Arbeitsnachweise.

Bei einzelnen in Privathaushalten arbeitenden Personen ist es ungeheuer mühsam, selbst gesetzlich gesicherte Rechte durchzusetzen, die für andere Berufsgruppen selbstverständlich sind. Auch das Aushandeln von Löhnen und maximalen Wochenstunden fällt schwer. Sehr schlecht sind auch die Chancen, einen Arbeitgeber für Regelverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen. Doch die Beratungsarbeit trägt Früchte: Diejenigen, die sich beraten lassen, erreichen in den meisten Fällen, dass ihre Arbeitgeber auf die gesetzlichen Mindeststandards eingehen.

Sehr problematisch sind die vielen Fälle junger, im Arbeitsrecht komplett unerfahrener Frauen und Mädchen. Oft mit falschen Versprechungen aus dem ländlichen Raum angelockt, ist die Hausarbeit in der Stadt ihre erste Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt etwa eine halbe Million minderjähriger Mädchen, die in privaten Haushalten putzen, kochen und waschen. Immer wieder kommt es zu Belästigungen und Gewalt am Arbeitsplatz. Aufgrund der Abhängigkeit vom Arbeitgeber erstatten die Frauen in den seltensten Fällen Anzeige.

 

Minderjährige Hausangestellte sind besonders benachteiligt - bis hin zur Altersversorgung

Auch Creuza arbeitete schon als Zehnjährige in einem Haushalt. Sie passte auf Kinder auf, die kaum jünger waren als sie selbst und sie stand Tage und Nächte im Dienst ihrer Arbeitgeber. Diese Erfahrung hat sie zu einer beharrlichen Kämpferin gegen Kinderarbeit, für faire Mindestlöhne und für Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit gemacht. Sie engagiert sich auch besonders für die Altersversorgung: "Es gibt keine adäquate Altersversorgung für Hausangestellte. Und das, wo gerade wir Hausangestellten uns oft von der eigenen Familie entfernt haben und im Alter allein da stehen" bemängelt Creuza. "Der Sozialversicherungsbeitrag ist für die Arbeitgeber freiwillig und wird deshalb viel zu selten gezahlt. Ich kenne viele, die 30 Jahre Arbeit in privaten Haushalten auf dem Buckel haben, ohne jemals einen Arbeitsvertrag gesehen zu haben. Sie müssen dann bis zu ihrem 65. Lebensjahr arbeiten, obwohl sie bereits als junges Mädchen angefangen haben. Das ist nicht fair!" empört sich die Gewerkschafterin.

 

Projekt Sozialer Wohnungsbau für Hausangestellte

Eine gute Initiative aus dem Bundesstaat Bahia schlägt Creuza den anwesenden Politikern sogleich auch für Acre vor: Bau günstiger Sozialwohnungen speziell für Hausangestellte. "Diese Häuser sind ein Segen" pflichtet ihr die Kollegin Eunice aus Pernambuco bei. Auch dort gibt es seit einigen Jahren eine kleine Siedlung, die den Namen "Vila 27 de Abril" trägt. Diese kleinen nach dem internationalen Tag der Hausangestellten, dem 27.April, benannten Häuschen sind meist alles, was die Frauen im Alter haben.

Die ASW unterstützt die Hausangestellten seit vielen Jahren mit Spendengeldern. Für die wichtige Gewerkschaftsarbeit bitten wir Sie um Ihre Spende.

Weitere Informationen und eine Broschüre zum Thema Hausangestellte können bei der ASW bestellt werden: tina.kleiber@aswnet.de

Kennwort: Perspektivenfonds Brasilien
Kenn-Nr.: 6001

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 

   

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