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Aktionsgemeinschaft
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Lamine Biaye ist Koordinator von ASPSP. Der 57-Jährige stammt aus einer Bauernfamilie, war lange für eine Spar- und Kreditgenossenschaft tätig und hat sich in Frankreich im Bereich ökologischer Landwirtschaft weitergebildet.
Lamine Biaye: Auf jeden Fall haben wir ein ungewöhnlich großes Nahrungsmitteldefizit. Das passiert selten im Senegal. Es ist eine Folge der letzten Regenzeit, als nicht überall genug Regen fiel. Deshalb hatten wir bei Getreide, Erdnüssen und Baumwolle eine schlechte Ernte. Normalerweise müssen die Bauern zwei Monate bis zur nächsten Ernte überbrücken, aber dieses Jahr werden es sicher fünf Monate sein, weil die Ernte so gering ausfiel. Das nennen wir Hungersnot auf senegalesisch.
Der Staat hat versprochen, 10 Milliarden CFA-Francs zur Verfügung zu stellen. Das sind rund 16 Millionen Euro. Aber wir sind sechs Millionen Bauern im Senegal. Diese 10 Milliarden Francs reichen nur für fünf Kilo Reis für jeden - für fünf Monate! Die CNCR (Conseil National de Concertation et de Cooperation des Ruraux) hat geschätzt, dass 110 Milliarden Francs CFA nötig wären. Der Staat leistet also nur ein bisschen Hilfe mit der Gießkanne.
Wir haben Getreidemangel, das ist unser größtes Problem. In unserer
Kampagne von 2008 und 2009 fordern wir die Bauern auf, ihr Verhalten zu ändern,
all ihren Mut zusammenzunehmen und Hirse, Reis oder Fonio anzubauen. Alle
drei Getreidesorten passen zur senegalesischen Ernährung.
Der industrielle Anbau von Baumwolle oder Erdnüssen schadet der Getreideproduktion
und unserer Ernährungskultur. Und er zerstört unsere Böden.
Außerdem zwingen diese Kulturen den Bauern in einen Teufelskreis der
Verschuldung. Um Baumwoll-Hybridsaatgut zu kaufen, muss sich der Bauer verschulden.
Er muss Düngemittel und Pestizide kaufen, um einen guten Ertrag zu erzielen.
Und wenn es nicht genug Regen gibt, hat er trotzdem schlechte Erträge
und kann seine Schulden nicht bezahlen.
Unser Ziel ist die unabhängige Versorgung der Bauern mit Saatgut, die Souveränität der Bauern über das Saatgut, um letztlich Ernährungssicherheit zu erreichen. Der Vorteil von lokalem Saatgut ist, dass es an das lokale Klima angepasst ist. Auch wenn nicht genug Regen fällt, reift es heran. Es kann ökologisch angebaut werden, während das Hybridsaatgut von chemischen Inputs abhängig ist. Und wenn man die jährlichen klimatischen Unterschiede miteinbezieht, dann gibt das Hybridgetreide nur in einem von zwei Jahren eine gute Ernte.
Auf den Saatgutmessen treffen sich Bauern aus allen Teilen des Landes und
stellen ihr Saatgut vor. Sie beschreiben die verschiedenen Sorten und geben
Informationen über ihren Anbau, bevor sie dann von Hand zu Hand gehen.
So haben alle die gleichen Kenntnisse darüber, wie man sie anbauen kann.
Bei diesem Prozess fließt kein Geld, man verkauft oder kauft die Sorten
nicht, sondern die Bauern tauschen sie aus. Es gibt einen moralischen Vertrag
untereinander, der es den Bauern erlaubt, das Saatgut bei der nächsten
Aussaat anzubauen. Und auf der nächsten Herbstmesse kommen sie mit der
Sorte, die sie erhalten haben, und präsentieren sie. Das ist eine große
moralische Befriedigung für beide Seiten.
In der Geschichte der afrikanischen Gemeinschaft war Saatgut nie eine Währung.
Es ist Leben, es gehört der Familie, deshalb verkaufen wir es nicht.
Wir retten also mit unserer Arbeit nicht nur lokale Sorten, sondern auch einen
kulturellen Wert.
Das Interview führte ASW-Mitarbeiterin Claudia Fix anlässlich
der internationalen Konferenz "Planet Diversity", an der Lamine
Biaye auf Einladung der ASW als Referent teilnahm.
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Der aktuelle Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln - vor allem bei Reis, Öl und Seife ist für die senegalesische Bevölkerung eine schwere Belastung. In kleineren Orten ist zeitweise gar kein Reis mehr erhältlich.Reis ist das Hauptnahrungsmittel der Senegalesen, doch drei Viertel des Bedarfs werden importiert. Lokale Getreide sind knapp und teuer. Im Senegal wären Kapazitäten für mehr Reisanbau, doch fehlt die staatliche Unterstützung.Der Verband bäuerlicher Saatgutproduzenten ASPSP (Association sénégalaise de producteurs de semences paysannes) fördert landesweit die Verbreitung traditionellen, lokal angepassten Saatguts durch Saatgutmessen, Versuchsfelder und die Weiterbildung von Kleinbauern. Zusätzlich leistet der Verband Lobbyarbeit zum Erhalt der Biodiversität. ASPSP wird seit 20xy von der ASW unterstützt. |
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