Start Wir über uns Aktuelle Ausgabe Aktueller Jahresbericht Archiv Projektinfos Brasilien Indien Westafrika Südliches Afrika Projektspenden Abonnement Impressum Homepage der ASW
Sitemap

Projektinfo ISWO / Indien

„Mit Frauenpower zur Ernährungssicherheit“

Die Frauenselbsthilfegruppen von ISWO schaffen neue Perspektiven in den vergessenen Dörfern Orissas

Unsere langjährigen Projektpartnerinnen von ISWO (Indira Social Welfare Organisation) sind in den Slums von Dhenkanal im indischen Bundesstaat Orissa und in 11 Dörfern der Region tätig. Dort hat ISWO zahlreiche Selbsthilfegruppen von Frauen aufgebaut, um die Frauen in den Dörfern umfassend zu stärken. Dazu gehören auch Programme zur Schaffung eigener Einkommen und zur Ernährungssicherheit.
Einen hohen Stellenwert haben weiterhin die Aufklärungsarbeit zu Frauenrechten und die Antigewaltprogramme, mit denen ISWO vor Jahren begonnen hatte. Häusliche Gewalt, Alkoholmissbrauch der Männer, die Praxis von Mitgift und Zwangsverheiratung sowie die Abtreibung weiblicher Föten sind dabei die Hauptthemen
.

„In kleinen Schritten haben die Frauen in den Dörfern ihr Leben verändert“, sagt Puspanjali Jena. “Kleine Zusatzeinkommen, eine bessere Ernährung der Familien. Schon das trägt zu mehr Selbstbewusstsein bei.“ Puspanjali ist die engagierte Leiterin der Indira Social Welfare Organisation. In den Dörfern rund um Dhenkanal hat ISWO in den vergangenen Jahren Selbsthilfegruppen von Frauen (SHG) aufgebaut, um die Frauen in der vernachlässigten Region zu stärken. Die Frauen haben daraufhin eigene, an die Verhältnisse in ihrem Dorf angepasste Programme entwickelt, um zusätzliche Einkommen zu erzielen und ihre Ernährungssituation zu verbessern. In einigen der Dörfer sind bereits Erfolge sichtbar. In anderen warten noch große Anstrengungen, um die gravierenden Probleme der BewohnerInnen zu lösen.

Zusätzliche Einkommen aus Bambusartikeln….

Im Dorf Jankira, etwa 20 Kilometer von der Provinzstadt Dhenkanal entfernt, sind derzeit etwa 20 Frauen in der Selbsthilfegruppe organisiert. Alle gehören einer unteren Kaste an. Sie haben sich auf die Herstellung von „Bamboo Crafts“, Geschenkartikel aus Bambus, spezialisiert. Das Dorf verfügt nur über wenig Land für den Ackerbau. Deshalb ist die Schaffung zusätzlichen Einkommens dringend nötig. Der Bambus muss zum größten Teil in benachbarten Dörfern bei Farmern gekauft werden. Hierfür wird ein Teil der öffentlichen Kredite eingesetzt, den die SHG erhält. „Früher gab es bei der Beschaffung des Bambus öfter Probleme mit sexuellen Belästigungen oder erpresserischen Angeboten“, berichtet eine ältere Frau. „Aber heute trauen sich die Männer das nicht mehr.“

Verkauft werden die Bambus-Produkte – zum Beispiel Tassenhalter, Aufbewahrungssets oder Getreidereiniger - bei größeren Festivals in der Region und auf den regelmäßigen Märkten. Die Einnahmen werden größtenteils zum Kauf von neuem Bambus, von besseren Werkzeugen und zur Rückzahlung von Krediten ausgegeben. Der Rest kommt den Familien zugute. „Wir könnten viel mehr verkaufen, wenn wir mehr Geld als Investitionskapital für den Bambus hätten“, sagt eine der Frauen. „Dann wären wir auch unabhängiger von den Kreditgebern.“

…und aus Kurkumapulver

Einige Kilometer entfernt von Jankira in demselben weitläufigen Tal befindet sich das Dorf Sankhua. Hier hat sich die von ISWO aufgebaute Frauen-Selbsthilfegruppe auf die Herstellung von Kurkumapulver spezialisiert. Dazu bauen ihre Mitglieder auf einigen Feldern die Tumeric- Wurzel an. Die Wurzeln werden anschließend in einem einfachen Verfahren zu Gewürzpulver weiterverarbeitet. Dazu arbeiten drei Frauen Hand in Hand: Zwei bedienen den Mörser, der unter dem Vordach einer Strohhütte steht. Die Dritte fegt das entstandene Pulver aus der Stampfmulde zusammen. Das Gewürzpulver wird in Plastiktüten verpackt und direkt auf den lokalen Märkten oder in Dhenkanal im  neu entstandenen Laden der regionalen Frauenkooperative verkauft.
Die Frauen in Sankhua planen, ein Dorfgemeinschaftshaus am Hauptplatz des Ortes zu errichten. Hier könnte Kurkumapulver hygienischer und auch für die Frauen bequemer unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Auch die kleine Dorfschule soll in das Gebäude ziehen, damit die Frauen die Kinder parallel zur Arbeit betreuen können.

Organische Landwirtschaft und Wassermanagement zur Ernährungssicherung

Grundlage des ISWO-Konzeptes zur Ernährungssicherung in den Dörfern ist Vielfalt im Anbau. Dadurch sind die Erträge sicherer und die Ernährung der Familien ist ausgewogener als bei einer Spezialisierung auf wenige Sorten. Die Grundnahrungsmittel sind Reis und andere Getreidesorten, daneben werden in kleinen Gärten verschiedene Gemüsearten und Kräuter gezogen. Gefördert wird auch die Haltung von Ziegen, Hühnern aber auch Milchkühen und Rindern.
„Nicht in jedem Dorf ist alles machbar und möglich“, erläutert Puspanjali Jena. „Wichtig ist, sich an den örtlichen Gegebenheiten zu orientieren.“
Immer mehr SHG stellen Vermikompost aus Regenwurmkulturen her. Auch andere Formen von organischem Dünger und Pflanzenschutz werden eingesetzt. Gemeinschaftliche Saatgut- und Getreidespeicher sorgen für die Sicherung der nächsten Aussaat und eine Grundversorgung in Krisenzeiten.

Die Frauen von Sankhua haben mit der Unterstützung von ISWO bereits viele Neuerungen in der Landwirtschaft umgesetzt. In ihrem Abschnitt des Tals gibt es etwa neun Monate lang ausreichend Wasser. Dieses wird in kleinen Kanälen zu den Feldern geleitet. Etwas weiter oben am Hügel wurde zusätzlich ein manuell zu betätigender Brunnen gebaut, der die hier angelegten kleinen Gemüsebeete bewässert. Die Kanäle sind auch der Zufluss für einen von den DorfbewohnerInnen angelegten Teich in der Mitte des Gemeindelandes. Hier wird das Wasser gestaut, um in den trockenen Zeiten des Jahres zur Verfügung zu stehen. Der Teich soll zukünftig auch als Fischteich genutzt werden, um zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften und den Speiseplan zu ergänzen.

Im dem hauptsächlich von Adivasifamilien bewohnten Nachbardorf Meghanbahali haben die Frauengruppen bereits gute Erfahrungen mit der Fischzucht gemacht. Ein neues Projekt, das gerade umgesetzt wird, ist die Champignonkultivierung. In den nahe liegenden Wäldern der Bergregion sammeln sie zudem Früchte und Nüsse. Auch von den in Meghanbahali produzierten Fischen und Pilzen und gesammelten Nüssen wird ein Teil vermarktet und ein Teil zur Verbesserung der eigenen Ernährung verwendet.

 

In einigen Dörfern geht es um das nackte Überleben

Doch nicht überall lassen sich solche Erfolge bewundern. Die prekäre Situation der Menschen in der Region wird im Dorf Biritarl, auf der trockenen, höher gelegenen Seite des Tals, deutlich. Das Dorf wird von Muslimfamilien, Dalits und niederen Kasten bewohnt. Die Männer arbeiten als Tagelöhner in den umliegenden Steinbrüchen. Die Wasserversorgung des gesamten Dorfes hängt an einem einzigen handbetriebenen Brunnen, dessen Wasser nicht zur Bewirtschaftung des trockenen, verkarsteten Bodens reicht. Die Frauen haben hier nur sehr kleine Gärten hinter ihren Häusern anlegen können. Auch einige Ziegen können von dem trockenen Gestrüpp leben.
Die Frauengruppe von Biritarl hat letztes Jahr versucht, dem karstigen Boden wenigstens Erdnüsse zum Verkauf abzuringen. Aber selbst dafür hat es nicht gereicht. „Wir haben schon vor zwei Jahren den Zugang zu elektrischem Strom beantragt, um eine elektrische Wasserpumpe zu installieren. Damit könnte die Bewässerung der Böden möglich werden. Aber die zuständige Regierungsstelle hat bis heute nicht auf unseren Antrag reagiert,“ klagt die Sprecherin der SHG. Für den Betrieb einer Dieselpumpe fehlt das Geld, Treibstoff ist auch in Indien sehr teuer. Ebenso große Probleme gibt es, andere öffentliche Förderleistungen zu erhalten, zum Beispiel Unterstützung für die Witwen des Dorfes. Besonders die muslimischen Frauen sind stark benachteiligt. In solchen Fällen, sagt Puspanjali Jena, helfe ISWO auch schon mal individuell, damit die Frauen nicht verhungern müssen.

Vieles mehr könnte für die Frauen und die Familien erreicht werden, wenn die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stünden. An der Kraft und dem Willen der Frauen zur Veränderung mangelt es nicht, aber auf Dauer können sie fehlende Geldmittel nicht mit persönlichem Einsatz ausgleichen. „Deshalb brauchen wir dringend weitere Unterstützung,“ bittet Puspanjali Jena und wirkt dabei sichtlich abgekämpft.

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende dabei, die Frauengruppen in der Region Dhenkanal bei ihrem alltäglichen Kampf um ihre Rechte und um eine sichere Ernährung zu unterstützen. Vielen herzlichen Dank!

Kennwort: Frauenfonds Indien
Kenn-Nr.: 9090

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 


Start ] [ Wir über uns ] [ Aktuelle Ausgabe ] [ Archiv ] [ Projektinfos ] [ Abonnement ] [ Impressum ] [ Druckversion ]