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Projektinfo 176 / Lateinamerika

Ausgezeichnetes Engagement gegen "Gewalt gegen Frauen"

Die Loucas de Pedra Lilás aus Brasilien

Für ihr witziges und phantasievolles Engagement im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen wurde die feministische Straßentheatergruppe Loucas de Pedra Lilás von UNIFEM mit dem 2.Preis ausgezeichnet. Die Loucas haben die Nachricht begeistert aufgenommen: "Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung und, dass eine so mutige Organisation aus Barrancabermeja in Kolumbien den 1.Preis gewonnen hat. Im August haben wir in Barranca an dem internationalen Frauenmarsch für den Frieden teilgenommen und erschütternde Beiträge über die Gewalt gehört, der Frauen in Kolumbien ausgesetzt sind. Der Bürgerkrieg währt schon fast 40 Jahre, doch seit dem "Plan Colombia " ist die Situation unerträglich geworden: Frauen werden von allen Seiten bedroht: von den Militärs über die Paramilitärs bis hin zu der Guerilla", erzählt Ana Bosch, eine der Gründerinnen der Theatergruppe Loucas.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Im Krieg in Kolumbien dient Gewalt, wie in jedem Krieg, als Mittel der Unterwerfung und der Vertreibung der Zivilbevölkerung. Männer werden vor allem als Kämpfer und als Opfer von Waffengewalt wahrgenommen. Übersehen wird, dass Gewalt gleichzeitig als Mittel sozialer Kontrolle eingesetzt wird und Frauen besonders trifft. So zwingen die Paramilitärs die Frauen zurück in ein patriarchales Gesellschaftsmodell, das ihnen jegliche persönliche Freiheit und selbst bestimmte Teilnahme am öffentlichen Leben verweigert. Abweichendes Verhalten wird mit extremer Brutalität sanktioniert und der Nachbarschaft als abschreckendes Beispiel präsentiert. Diese Gewalt ist Teil eines Krieges an einer nicht erklärten Front, die Frauen in Krisenzeiten ganz besonders zu spüren bekommen.

In Kolumbien, in Brasilien, in Deutschland - überall - gibt es zudem die Gewalt über die meist geschwiegen wird: Vergewaltigung und andere Formen der Gewalt, die Frauen in ihren eigenen vier Wänden erleben. Dieses Schweigen zu brechen, haben sich die Loucas zur Aufgabe gemacht. Ein wichtiger Schritt ist es, der Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen entschlossen entgegen zu treten. So sah sich die Frauenbewegung zum Internationalen Frauentag dieses Jahres gezwungen auf den Karnevalshit "Tapinha não doi" ( "Kleine Schläge können nicht schaden") mit dem Slogan "Schläge sind keine Liebe sondern eine Straftat" zu reagieren. Die Loucas traten zum 8.März gleich vier Mal an verschiedenen Orten in der Stadt auf. Ihr Erfolgsrezept? Die Fähigkeit, harte Realität spielerisch zu vermitteln und Lösungsansätze aufzuzeigen, ohne schulmeisterlich daherzukommen. 1989 haben die Loucas begonnen, die Forderungen der Frauenbewegung auf die Straße und so ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung zu tragen. In den 12 Jahren haben sie kaum ein Thema ausgelassen. Gewalt gegen Frauen zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch ihre Arbeit.

"Ohne Humor geht gar nichts"- spielerisch Politik machen

Schlagende Ehemänner, sexuelle Gewalt, frauenfeindliche und Gewalt beschönigende Hip-Hop-Songs: Alles nicht besonders witzig, oder? Doch ohne Humor läuft bei den Loucas gar nichts! Wenn Gigi mit ihrem Wollschnurrbart, breitbeinig als könnte sie vor Kraft nicht laufen, den Macker in der Bar mimt; oder wenn Nadege als Hausangestellte sich so empört gegen ihren Arbeitgeber stellt, dass der es nie wieder wagt sie anzufassen. Oder wenn Hilda im überfüllten Bus nach einer rassistischen Bemerkung, kurzerhand den Fahrschein ihres Peinigers aufisst und ihm damit ein Strafgeld aufbrummt, dann müssen alle herzlich lachen.

Andererseits mimt Christina so überzeugend die völlig überarbeitete, gegen den Schlaf kämpfende Angestellte im Polizeikommissariat, die sich von der wüst schimpfenden Vera überhaupt nicht beeindrucken lässt - Vera, die gegen ihren prügelnden Nachbarn aussagen will und erwartet, dass SOFORT etwas geschieht, damit die Nachbarin und ihre Kinder endlich ihren Frieden haben - , dass das Lachen manchmal im Halse stecken zu bleiben droht. Schließlich sind die Szenen der Loucas nicht nur Klamauk, mit viel Witz transportieren sie Kritik und hinterfragen Vorurteile.

"Wenn er dich einmal schlägt wird er es wieder tun, egal was er verspricht"

Zum Beispiel die Ansicht, dass die Armut Schuld sei an der Gewalt der Männer oder "dass der Mann von Juliana doch ganz nett ist, wenn er nicht getrunken hat". Oder dass man sich besser nicht einmischen sollte in Familienangelegenheiten oder dass Männer "ihre Ehre retten müssen". Die Szenen der Loucas machen deutlich, dass Männergewalt vor Reichtum und Status nicht Halt macht und dass diese Gewalt Ausdruck der Ungleichheit in der Gesellschaft ist, die nur aufhören wird, wenn Frauen sich wehren.

Wenn es darum geht sich mit Hilfe von Staat und Justiz gegen Gewalt zu wehren ist die Situation von Frauen tatsächlich desolat. Denn Straflosigkeit ist in Brasilien generell weit verbreitet und Frauen bekommen das zu spüren. Das Erbe der Kolonialisierung Brasiliens und die noch keine 20 Jahre zurückliegende Militärdiktatur haben Gewalt als legitimes Mittel der Interessenvertretung etabliert. Ein Mann der seine Frau umbringt und behauptet er hätte sie mit einem Anderen gesehen, kann sich der Zustimmung eines großen Teils der Bevölkerung sicher sein und eine Verurteilung ist höchst unwahrscheinlich.

Solidarität mit den Frauen, Bloßstellen der Täter

Für die Loucas ist das jedoch kein Grund zu resignieren sondern vielmehr eine Herausforderung. Sie bauen vor allem auf die Solidarität von Frauen und die Diskreditierung der Täter. So haben sie die Kampagne der weißen Schleifen wieder aufleben lassen, die Männer dazu auffordert ihren Respekt für Frauen und ihr Engagement gegen Gewalt öffentlich zu zeigen. Als Nächstes sind Fernsehspots geplant in denen Menschen aus den Wohnvierteln sich über Gewalt äußern, damit das Thema endlich einen prominenten Platz in der Öffentlichkeit bekommt.

Die Loucas machen Frauen Mut, sich nichts gefallen zu lassen und sie lassen die Stücke zunehmend mit einer Technik aus dem "Theater der Unterdrückten" enden, damit ZuschauerInnen Lösungsmöglichkeiten selbst durchspielen können. Diese Methode zieht vor allem bei jungen Erwachsenen, die die Loucas in der Schule zu sehen bekommen.

Eine feministische Karriere

Mit dieser spielerischen Form der Politik machen die Loucas richtig Karriere. Seit sie im Landesparlament so nachdrücklich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der neu eingerichteten Frauenkommissariate forderten, dass umgehend Taten folgten, sind sie zu einer festen Institution in der Protestkultur des Nordostens geworden. Die nationale Frauenbewegung ließ sie beim Weltmarsch der Frauen in Brasilia hochleben und nun zeichnete auch UNIFEM die Gruppe aus. Den bisher größten Triumph bescherte ihnen jedoch eine Initiative US-amerikanischer Stars: Glen Close, Jane Fonda, Oprah Winfrey u.a. initiierten einen "V-Day", einen Siegestag, gegen Gewalt gegen Frauen. Angesichts der alarmierenden Zahl von einer halben Million Frauen, die jährlich in den USA vergewaltigt werden, riefen die Stars in New York den V-Day-Wettbewerb "STOP RAPE" zur Beendigung von Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen weltweit aus. Die Loucas gewannen auch dort den 2.Preis und sie wurden inspiriert in Recife zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen (25.November) eine brasilianische Version der Benefiz-Großveranstaltung durchzuführen.

Doch trotz aller Auszeichnungen, von Ruhm und Ehre allein kann die spielerische Art der Loucas Politik zu machen nicht weitergehen. Bitte helfen Sie mit, dass so brisante Themen wie Rassismus, Gewalt in der Familie oder Arbeitsrechte von Hausangestellten weiterhin und regelmäßig (nicht nur) in die Fußgängerzone der Millionenstadt Recife tragen können.

Kennwort: Frauenfonds Brasilien
Kenn-Nr.: 6002

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 


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