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„Vertrieben im Namen des ökonomischen Fortschritts“– so lässt sich betiteln, was zurzeit vielen Menschen in den ländlichen Regionen Indiens widerfährt. Mit dem Ziel, ausländische Direktinvestitionen anzulocken und über neue Industrien die Exportproduktion zu steigern, etabliert die indische Regierung seit 2000 in allen Landesteilen Sonderwirtschaftszonen, SEZ. Sie wählt dazu meist genau jene Gebiete, in denen viele Dalits, Kastenlose, leben. Diese ohnehin benachteiligten Menschen sind – neben der indigenen Bevölkerung - die größten Verlierer des indischen Wirtschaftsmodells.
Die Verlieren unter den Verlierern
Kothapalli und Dharmavaram heißen 2 von 13 Dörfern, die einer Sonderökonomiezone im nordöstlichen Andhra Pradesh ganz oder teilweise weichen müssen. Dharmavaram verlor bereits an drei Seiten seine Felder, Wald- und Teichrechte, Kothapalli wird in Kürze völlig verschwinden. Die dort ansässigen Dalitgemeinschaften werden auseinandergerissen und die Familien verlieren die wirtschaftlichen Nischen, in denen sie bisher existieren konnten.
Dalits sind meist von schlechtbezahlter Lohnarbeit bei Grundbesitzern abhängig. Werden sie von dem Land, auf dem sie leben und wo sie arbeiten, vertrieben, fallen sie sozusagen ins Nichts. In eine Beschäftigung außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors können sie aufgrund ihrer Diskriminierung nicht wechseln. Von höherkastigen Menschen bewohnte Dorfteile dagegen erhalten von der Regierung meist einen Ausgleich für den Verlust ihres Landes und sogar ihrer Infrastruktur.
Die indische Verfassung aber garantiert auch den Dalits Rechte. Sie stellt ihre Landtitel und ihre Einkommensmöglichkeiten durch Nutzung öffentlicher Ressourcen (Wälder, Brachland, Wasserstellen) unter einen Schutz und verbietet es, ihnen diese Gebiete entschädigungslos zu entziehen.
Schritte zur eigenen Interessensvertretung
Diese rechtlichen Garantien sind eine wichtige Grundlage für die Arbeit von VSSS. Die von Rellu Jaggarao und seiner Frau koordinierte Organisation setzt sich in Andhra Pradesh für die besonders geschädigten Dalits ein. VSSS informiert die betroffenen Menschen über ihre Rechte und beschreitet mit ihnen Wege, diese einzufordern. Dazu gehören Eingaben bei Behörden, Medienkontakte, Proteste, Wandzeitungen, Flugblätter und viele Diskussionen. Sie haben Erfolg. Acht Familien wurden bisher von der Regierung entschädigt und für jede der Familien konnte ein neues Haus gebaut werden. Die Organisation befähigt Dalits durch Schulungen auch zur eigenen Interessenvertretung.
Auch hier sind Erfolge zu verzeichnen: 48 Dalits erhielten nach Teilnahme an VSSS-Workshops einen Sitz in den Gemeindevertretungen, wo über Infrastrukturmaßnahmen und Arbeitsmöglichkeiten in den Dörfern entschieden wird. Mit Unterstützung der so gewählten Gemeindevertreter konnten 600 Familien als Ausgleich zu den Vertreibungen Arbeitsmöglichkeiten auf Palmölplantagen erhalten – sogar zu angemessenen Löhnen. Für viele Familien gibt es Aussicht auf weitere Ausgleichsmaßnahmen.
Doch der Weg hin zu einer wirklichen Gleichberechtigung und Anerkennung der Dalit-Bevölkerung ist noch weit. Zwar kann VSSS auch kurzfristig helfen und verteilt in Notfällen sogar Essen an die Menschen. Aber Ziel der Arbeit ist, langfristig zu verhindern, dass die Dalits in dieser unsicheren Situation leben müssen.
Die
ASW will VSSS dabei zur Seite
stehen. Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Dalits auf ihrem Weg zu mehr Mitsprache und Gleichberechtigung.
| Kennwort: Perspektivenfonds Indien Kenn-Nr.: 9091 Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | |
| Bank für Sozialwirtschaft | |
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