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Projektinfo 211 / Senegal
„Ein Lehrer hat versucht, mich zu vergewaltigen. Er hat gesagt ich soll zu ihm kommen, damit er mir eine Lektion erklären kann. Ich konnte fliehen, ich habe geweint aber nichts gesagt.“ Was diese senegalesische Schülerin berichtet, ist kein Einzelfall. Täglich kommt es an den Schulen des Landes zu sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen von Schülerinnen. Die Täter sind nicht immer die Lehrer, aber sie sind es häufig. Meist kommen sie straflos davon, während die Mädchen im Fall einer Schwangerschaft sozial geächtet und oft sogar genötigt werden, die Schule zu verlassen.
Genauso verbreitet wie solche Taten ist das Schweigen der Gesellschaft über sie. In dieser Atmosphäre trauen sich die wenigsten Opfer, die ihnen widerfahrene Gewalt anzuzeigen.
„Der Druck und die Zwänge der Familie, Gesellschaft und der Kultur führen zu Schweigen und zu Straflosigkeit“, sagt Awa Fall Diop, Koordinatorin von „Beobachtung des Geschlechterverhältnisses im Senegal“, ORGENS.
Um dieses Schweigen zu brechen hat die ASW-Partnerorganisation mit Sitz in Dakar eine große Untersuchung durchgeführt, die das Ausmaß der sexuellen Gewalt gegen Schülerinnen in dem westafrikanischen Land belegt. Die Zeugnisse von Betroffenen, wie das der oben zitierten Schülerin, sind erschütternd. Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer.
Ein befragter Schuldirektor berichtet: „Ich habe 17 Schülerinnen, die während der Schulzeit ein Kind bekamen, geholfen, die Schule fortzusetzen, schon lange bevor das Gesetz in Kraft trat, das einen Schulausschluss verbot. Ich habe auch vermittelt und die Zwangsheirat einer schwangeren Schülerin verhindern können. Einmal habe ich die Rückgabe des Brautpreises erwirkt, damit das Mädchen frei ist und die Schule fortsetzen kann.“
ORGENS ist, nachdem dieser gesellschaftliche Missstand dokumentiert war, auf mehreren Schienen aktiv geworden. Die MitarbeiterInnen haben die Ergebnisse der Studie in die Presse gebracht und zu einem Film verarbeitet. Gleichzeitig starteten sie eine Sensibilisierungskampagne zu sexueller Gewalt, die sich an Lehrer, Eltern und kommunale Entscheidungsträger richtet. Bei dieser kommt unter anderem der Film zum Einsatz.
Außerdem hat das ORGENS-Team zusammen mit den Schulen sogenannte Wachsamkeitskomitees eingerichtet, in denen Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrer sitzen. Sie beobachten die Situation in und außerhalb des Unterrichts und schreiten rechtzeitig ein, wenn z.B. ein Lehrer eine Schülerin auffällig oft zu sich ins Büro ruft und dabei die Tür zumacht.
„Ich bin der Überzeugung, dass der Mut, offen über das Problem zu sprechen, schon Teil der Lösung ist“, sagt Rokhaya Fall, eine Teilnehmerin eines Workshops in Vélingara. Vélingara im Südosten des Senegal ist eine Region, in der die Unterdrückung der Frau aufgrund stark traditionsgebundener Gemeinschaften sehr groß ist. Hier startete ORGENS die Studie zur sexuellen Gewalt und begann mit Gesprächsrunden in den Dorfgemeinschaften.
An diesen „Plaudereien“ nahmen alle DorfbewohnerInnen teil - Alte und Junge, Frauen und Männer. Das Ziel war auch hier, das Schweigen über sexuelle Gewalt zu brechen und dadurch eine Veränderung herbeizuführen.
Bitte unterstützen Sie die Arbeit von ORGENS mit einer Spende, damit noch mehr Mädchen und Frauen im Senegal ohne sexuelle Gewalt leben können.
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