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Projektinfo 201 / Westafrika

ORGENS: Mit neuem Arbeitsschwerpunkt in eine geschlechter-gerechtere Zukunft

Die in der senegalesischen Hauptstadt Dakar ansässige Organisation ORGENS ("Beobachtung des Geschlechterverhältnisses in der Schulbildung") hat sich die Gleichberechtigung von Frau und Mann zur Aufgabe gemacht. Mit dem Ziel, die Gesellschaft nachhaltig zu verändern, wählte ORGENS als Ansatzpunkt der Tätigkeit die schulische Erziehung. Mit neuartigem Unterrichtsmaterial und Schulungen von Lehrern zu Geschlechtergerechtigkeit setzt die Organisation dem traditionellen gesellschaftlichen Rollenverhältnis im Senegal ein Korrektiv entgegen.

Wie stark das Verhältnis von Mann und Frau noch von traditionellen Vorstellungen geprägt ist, zeigt sich an der geringeren Teilhabe von Mädchen an der schulischen Bildung. Schon die Grundschule besuchen weniger Mädchen als Jungen. Nach Angaben von UNICEF nehmen 71 Prozent der Jungen (auch das ist schon eine skandalös geringe Zahl) und 67 Prozent der Mädchen an der Grundausbildung teil. Auffälliger ist die Diskrepanz bei der Sekundarschulbildung: Während immerhin 36,2 Prozent aller Jungen nach der Grundschule weitermachen, sind es bei den Mädchen nur 23,6 Prozent. Die spätere Heirat der Mädchen lässt in den Augen vieler Eltern eine schulische Ausbildung als nachrangig erscheinen.

Auch ein Großteil der Gesetze im Senegal lässt eine Gleichberechtigung der Frauen nicht erkennen - obwohl die Verfassung von 2001 wichtige Frauenrechte festschreibt. Das Erbrecht blieb diskriminierend und das Sorgerecht wird nur in Ausnahmefällen der Mutter zugesprochen, da in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen die Kinder dem Mann "gehören".
Weil traditionelle Verhaltensmuster durch den Schulunterricht verfestigt werden, war der erste Schritt der Arbeit von ORGENS eine Untersuchung von Geographie- und Geschichtsbüchern hinsichtlich ihrer traditionellen Rollenbilder von Frau und Mann. Auf dieser Basis haben ORGENS-MitarbeiterInnen Empfehlungen zur Neukonzeption der offiziellen Schulbücher erarbeitet und selbst ein Geschichtenbuch erstellt, das Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer zum Überdenken hergebrachter Geschlechterrollen animiert. (Zur bisherigen und seit 1999 von der ASW geförderten Arbeit von ORGENS siehe Kasten).

In diesem Jahr beginnt ORGENS mit einem neuen Arbeitschwerpunkt. Es geht um die Verhinderung sexueller Gewalt gegenüber Schülerinnen. Mädchen sind während des Schulbesuchs und während der Pausen der Gefahr ausgesetzt, Opfer sexueller Gewalt zu werden..Nicht selten sind es die männlichen Lehrer, die die Mädchen sexuell missbrauchen. Es kommt regelmäßig zu Schwangerschaften von Schülerinnen, die in einem solchen Fall zum Verlassen der Schule genötigt werden. Allein in den Dörfern der Gemeinde Diakhao (Region Fatick) sind in einem Schuljahr 65 Schülerinnen schwanger geworden. Dass danach einige Lehrer verschwunden sind und auch Schülerinnen die Schule verlassen haben, deutet auf die Täterschaft der Lehrer hin. In manchen Fällen werden Schülerinnen sogar gezwungen, ihren Lehrer zu heiraten. Dies geschieht, obwohl das Heiratsmindestalter gesetzlich auf 18 Jahre festgelegt ist.
"Jeden Tag finden wir in den Zeitungen Meldungen über solche Fälle", sagt Awa Fall Diop, Koordinatorin von ORGENS. "Wir arbeiten daran, dass möglichst viele Mädchen die Schule besuchen - und dann sehen wir, dass sie auf diese Gewalt treffen. Diesen Zustand finden wir untragbar".

Das neue Projekt beinhaltet zwei Strategien, um Mädchen vor sexueller Gewalt zu schützen. Zunächst soll über Auswirkung und Ausmaß der sexuellen Gewalt aufgeklärt werden. Derzeit läuft eine ORGENS-Studie über Fälle sexueller Gewalt, die in dieser Form im Senegal noch nicht durchgeführt worden ist. Auf der Basis der Ergebnisse wird dann zusammen mit juristischen und medizinischen Organisationen eine Informationsbroschüre erstellt, die Grundlage von Informations- und Sensibilisierungsgesprächen mit Lehren, Eltern und kommunalen Entscheidungsträgern sein wird.
In einem zweiten Schritt sollen gemeinschaftliche Komitees von Schülern, Eltern und Lehrern an Schulen eingesetzt werden, die bezüglich sexueller Gewalt als Wachorgan dienen und präventiv eingreifen sollen. Für betroffene Mädchen werden diese Komitees die erste Anlaufstelle sein.
Um eine breitere Öffentlichkeit zu sensibilisieren, plant ORGENS auch eine Medienkampagne zum Thema sexuelle Gewalt.

Damit ORGENS die wichtige Arbeit gegen sexuelle Gewalt an den Schulen leisten kann, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung.

 

 

Die ASW und ORGENS: eine fast 10jährige Partnerschaft

Seit 1999 unterstützt die ASW Projekte von ORGENS. Zum Beispiel finanzierte sie eine grundlegende Forschungsarbeit - eine Untersuchung von Schulbüchern auf Darstellung des Geschlechterverhältnisses.Auf der Grundlage dieser Untersuchungen führte ORGENS im Jahr 2002 Gespräche mit dem Bildungsministerium. Beide Seiten vereinbarten eine institutionelle Partnerschaft. ORGENS darf seitdem mit Unterstützung des Ministeriums Fortbildungen für Lehrer zum traditionellen Rollenverständnis von Frau und Mann durchführen. Das nächste größere Projekt war die Erstellung eines illustrierten Geschichtenbuchs für die Grundschulstufe. "Góór baax na, jigéén baax na!" lautet der Titel auf Wolof. Das heißt soviel wie "Männer sind gut, Frauen auch". Das 2004 fertig gestellte Buch wurde zunächst in einer Auflage von 2.500 Exemplaren gedruckt und an GrundschülerInnen verteilt. Es wurde von Lehrern im Unterricht und im Rahmen von ORGENS-Workshops eingesetzt, bei denen sich die SchülerInnen mit dem Thema Gleichberechtigung spielerisch auseinandersetzen. Das Geschichtenbuch zeigt neue Rollen- und Lebensmodelle für Frauen auf. In einer Geschichte geht es um die ältere Tochter einer Familie. Ihre intellektuellen Fähigkeiten und Talente bleiben unerkannt, da die armen Eltern all ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft auf den jüngeren Bruder setzen und ihn entsprechend fördern. Doch ein Zufall gibt dem Mädchen die Chance zu beweisen, dass auch sie Lesen und Schreiben kann und somit ausbildungswürdig ist. Oder da ist in einer anderen Geschichte ein übellauniger, egozentrischer und ungerechter König, der laut der Weissagung eines Papageis von seinem Thron gestürzt werden soll. Er macht sich auf die Suche nach dem starken, unbekannten Kontrahenten. Am Ende stellt sich heraus, dass es sich um eine junge Frau handelt, die beweist, dass sie liberale und ihrem Volke wohltuende Führungsqualitäten besitzt. In jeder Geschichte des ORGENS-Buches wird ein bestimmtes Vorurteil oder eine gängige Meinung, wie zum Beispiel: "Frauen brauchen keine Schulbildung" oder "Frauen können und dürfen nicht kämpfen" widerlegt. Alle Kapitel sind mit farbenfrohen Bildern illustriert, die von Cheik Ba (ein bekannter senegalesischer Zeichner) gestaltet wurden. In Anschluss an jede Geschichte werden Verständnisfragen zum Text, Zuordnungsaufgaben zur Erschließung des Textes oder Bilder-Suchspiele angeboten. Fragen wie " Kennt ihr Mädchen, die niemals in der Schule waren? Wenn ja, was könnt ihr für sie tun?" oder "Erzählt eine Geschichte über die Aktivitäten, die es im Senegal gibt, um Mädchen zu bilden", regen die Schüler und Schülerinnen zum Nachdenken an und schulen sie in ihrem Sozialverhalten. Rollenspiele in Form eines Nachspielens von einzelnen Szenen oder Dialogen, die in der Geschichte vorkommen, sollen neue Rollen erfahrbar machen Am Ende des Lehrmittels befindet sich zum leichteren Verständnis ein Vokabelindex für den Fremdsprachenerwerb. Denn für senegalesische Kinder beinhaltet Grundschulunterricht das Erlernen des Französischen.Damit auch Lehrer und Lehrerinnen, die das Geschichtenbuch einsetzen, für die Gender-Problematik sensibilisiert werden, hat ORGENS bewußt Aufgaben- und Fragestellungen in die Texte einbaut, die den Unterricht gezielt in Richtung Gender-Wahrnehmung steuern.

Seit Beginn des Jahres ist nun die Bundesrepublik Deutschland Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die ASW appelliert daher an die deutsche Regierung, eine aktive und konstruktive Rolle bei der Lösung des Westsaharakonfliktes zu übernehmen.

Die ASW unterstützt die Sahrauis in den Flüchtlingslagern bei Tindouf schon seit vielen Jahren. Wir wissen, dass sich deren Lebensbedingungen in den letzten Jahren verschlechtert haben. Wir werden daher weiterhin Bildungs- und Ausbildungsprojekte vor Ort fördern und bitten um Ihre Mithilfe.

 

 

Kennwort: Frauenfonds Afrika
Kenn-Nr.: 8002

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 


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