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Projektinfo 196 / Indien

Ihr lauft auf unseren Sohlen und nennt uns unberührbar?

SODHANA weist mit einer Vorschule für Dalitkinder neue Wege

Auf den ersten Blick ist das Projekt gar nicht ASW-typisch: Strahlende Kinder recken begeistert und eifrig ihre Hände um zu zeigen, was sie in ihrer Vorschule gelernt haben. Im Kreis stehen sie da und singen: "Ihr lauft auf unseren Sohlen, wir fegen euere Wege, wir putzen euer Haus, wir ziehen euch in der Rikscha, wir ernten euer Getreide und ihr nennt uns unberührbar?"
Eine Lehrerin zeichnet mit Kreide Kreise, Zahlen, Symbole und Buchstaben auf den Betonboden. In einem Lauf- und Ratespiel können die Kinder nun zeigen, was sie schon gelernt haben. Mit Freude und sichtbarem Ehrgeiz sind die Kinder dabei. In der engen strohgedeckten Hütte hängen ringsherum farbige Zahlen und Buchstabentafeln. Gegenstände des täglichen Bedarfs sind Symbolen, die auf Gesundheitsfragen verweisen, zugeordnet. Alle Materialien sind selbst gemacht. Mit einem großen Memory, das auf den Boden ausgelegt wird, werden Hygiene und Gesundheitsaspekte von Gemüse und Getreide erkundet.

 

Vorschule als Tür zu einem menschenwürdigen Leben

"Wir haben festgestellt, dass in den meisten Grundschulen besonders die Dalitkinder auch in der siebten Klasse noch nicht richtig lesen und schreiben konnten. So haben wir die besondere Förderung auf die ersten Jahre gelegt", erklärt Dr. P.D.K. Rao, der Gründer von SODHANA die Idee der Vorschule. Tatsächlich sind die Kinder in den SODHANA-Klassen in der Kleinstadt Cheepurupalli zwischen drei und fünf Jahren. Mir ihren Kenntnissen übertreffen sie aber die Kinder der meisten regionalen Dorfschulen mit Klasse 1 bis 5. Mit dieser Vorbereitung haben sie die Chance, ein besseres Leben aufzubauen als das ihren kastenlosen Eltern möglich war. Mit 180 Millionen anderen Kastenlosen in Indien teilten diese das Schicksal, lebenslänglich zu einem der typischen ‚unreinen' Dalit-Berufe verdammt zu sein. "Ein wichtiges Anliegen war es uns Frauen schon früh, dass alle unserer Kinder zur Schule gehen", sagt eine Mutter aus Cheepurupalli. "Nur so können sie sich aus dem elenden Dalitdasein befreien."

 

Guter Unterricht auch ohne staatliche Förderung

Der Unterricht findet fünfmal die Woche von 9-12 und von 14-16 Uhr statt. Dazwischen gibt es ein vitaminreiches Essen. Das muss aus eigener Tasche finanziert werden, denn für eine Vorschule zahlt der Staat keinen Zuschuss zum Essen. Das ‚middaymeal' ist nur für Grundschulen gesetzlich vorgeschrieben. Rao und auch anderen MitarbeiterInnen der Gruppe SODHANA (Das Wort bedeutet "Erforschung/sich erheben") ist es gelungen, in der Region sozial eingestellte Menschen zu einem kleinen Beitrag zu überreden, mit dem das Mittagessen und teilweise auch die LehrerInnen bezahlt werden können.
Dass der SODHANA-Gründer zehn Jahre als Dozent in den USA gearbeitet hat, war für diese Geldbeschaffung sicherlich von Vorteil. Dank der Qualifikation von Rao kann SODHANA heute auch selbst Lehrer ausbilden. So hat die NGO die meisten ihrer Lehrerinnen und Lehrer aus den umliegenden Dörfern geholt und sie speziell für einen Unterricht für Kinder im Vorschulalter trainiert.
Auch in den umliegenden Grundschulen hat SODHANA je zwei zusätzliche Lehrer untergebracht, die von Rao ausgebildet worden waren. Mit dieser zusätzlichen "Personalausstattung" können diese Schulen jetzt deutlich besser auch auf die Bedürfnisse der kastenlosen SchülerInnen eingehen als eine der üblichen chronisch unterversorgten staatlichen Grundschulen. Es ist nicht selten, dass dort zwei Lehrer sieben Klassen unterrichten.
So ist allen gedient. Die Klassen dieser von SODHANA unterstützten Grundschulen sind jetzt viel kleiner, der Unterricht ist besser und oft schauen sich die staatlichen Lehrer etwas von der Didaktik der Zusatzlehrer ab. Rao ist überzeugt: "Die Dalitkinder können danach dem Unterricht auch auf den weiterführenden Schulen viel besser folgen". Für besonders gute SchülerInnen kann er jedes Jahr sogar zwei Stipendien ausloben. Dabei werden besonders Mädchen gefördert.
Die älteren SchülerInnen nehmen gelegentlich auch an Tanz- und Bildungsabenden teil, die SODHANA in Cheepurupalli und umliegenden Gemeinden organisiert. Zusammen mit anderen Dalitkindern verkünden sie dann tanzend und singend die Botschaft: "Ihr lauft auf unseren Sohlen und nennt uns unberührbar?
Für diese wegweisende Vorschulbildung für Dalitkinder bitten wir um Ihre Unterstützung unter:
Kennwort: wird noch ergänzt
Kenn-Nr.: wird noch ergänzt

* Die Lederbearbeitung ist traditionell ein Tätigkeitsfeld der Berufsgruppe der kastenlosen Lederarbeiter. Kastenlose bzw. Dalits, wie sie sich selbst nennen, werden von Kastenhindus als unrein und unberührbar angesehen.

Kennwort: Perspektivenfonds Indien
Kenn-Nr.: 9091

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 


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