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Belo Monte und andere Mega-Staudämme in Brasilien – Aus Erfahrungen wird nicht gelernt

Belo Monte und andere Großstaudämme

Wasserkraft ist saubere Energie. Staudämme und Wasserkraftwerke schaffen Arbeitsplätze und kurbeln die Konjunktur an. Dies sind Argumente, mit denen die BrasilianerInnen immer wieder davon überzeugt werden sollen, dass der Bau von Wasserkraftwerken eine gute Sache sei, mit geringen Kosten und hohen Gewinnen.

Doch die Realität sieht anders aus. Bereits von den Wasserkraftprojekten Tucuruí, das 1984 in Pará umgesetzt wurde, oder Balbina im Bundestaat Amazonas sind die negativen Auswirkungen von Staudämmen am Amazonas bekannt. Der überschwemmte Wald unter dem Stausee fing an zu faulen und führte zu einer Mückenplage, die Malaria hervorrief und die Ribeirinhos (Flußanwohner) zwang, ihr Land am Ufer des Stausees zu verlassen. Durch die faulenden Bäume wurde außerdem schädliches Methangas freigesetzt. Hinzu kommt, dass der vernichtete Wald auch keinen Sauerstoff mehr produzieren kann. Unter dem Strich produziert Wasserkraftenergiegewinnung im Amazonasgebiet genau so viel Kohlenstoffdioxid, wie die Energiegewinnung aus Kohle oder Öl.

Nachdem die Dämme gebaut waren, blieben arbeits- und perspektivenlose Arbeiter zurück, die anfingen, Edelhölzer zu fällen oder ganze Wälder zu roden, um Land für die Viehzucht oder den Anbau von Monokulturen zu gewinnen. Die Flussanwohner wurden in die Armensiedlungen der Städte vertrieben.

Gelernt hat man aus diesen Entwicklungen nicht, denn am Fluss Xingu soll nun der drittgrößte Staudamm der Welt – Belo Monte – gebaut werden. 500 km² – dies entspricht etwa der Größe des Bodensees –  sollen überschwemmt und 30.000 Menschen umgesiedelt werden.

Ein ökologisches und soziales Desaster ist vorprogrammiert

Schon seit den 70er Jahren ist der Damm geplant, scheiterte aber am Widerstand der Menschen. Ende der 90er Jahre wurde das Mega-Projekt aufgrund einer Energiekrise Brasiliens wieder ausgegraben und unter Lulas Regierung von der damaligen Energieministerin und heutigen Präsidentin Dilma Rouseff konkretisiert. 2011 gab die brasilianische Regierung grünes Licht für den Bau, obwohl die damalige Umweltministerin wegen erheblicher Bedenken gegen das Projekt zurückgetreten war.

Derzeit ist der Bau jedoch gestoppt, denn der Damm gefährdet die Zierfischbestände. Ob die kleinen Fische den Menschen stoppen können, bleibt abzuwarten.

Es steht aber noch viel mehr auf dem Spiel. Die Volta Grande („Große Schleife“) des Xingu wird austrocknen, wodurch den anwohnenden Ribeirinhos und Indigenen nicht nur ihre Lebensgrundlage, die Fische, entzogen wird, sondern auch der einzige Transportweg über Wasser nach Altamira, die nächstgrößere Stadt. Ein Leben, wie sie es bisher geführt haben, wäre dann nicht mehr möglich.

Das Projekt ist nicht nur ökologisch und sozial ein Desaster, sondern wird von seinen Kritikern auch als wirtschaftlich untragbar bezeichnet. Durch die saisonalen Schwankungen des Wasserstandes des Xingu würde das Kraftwerk nur drei bis sechs Monate im Jahr seine maximale Leistung bringen können. Für eine ganzjährige maximale Nutzung müsste flussaufwärts ein weiterer Staudamm gebaut werden. Viele Kritiker befürchten jetzt schon eine Welle von Staudammbauten, wenn Belo Monte erst einmal stehen sollte.

Die Bevölkerung bleibt außen vor

Die Gegner des Damms, wie z.B. das Bündnis Xingu Vivo Para Sempre, kritisieren insbesondere, dass die betroffene Bevölkerung in allen Entscheidungsprozessen übergangen wird.

Politiker ignorieren die Proteste der Bevölkerung. Dabei bekennt sich Brasilien offiziell dazu, die Interessen der Indigenen und vor allem ihre Landrechte zu wahren.

Selbst staatlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfungen zur Untersuchung der Tragbarkeit von Bauvorhaben laufen ins Leere, weil Baufirmen sie selbst in Auftrag geben oder einfach losbauen und Fakten schaffen. Geltendes Recht wird umgangen und verkommt zum Papiertiger.

Viele Menschen misstrauen den Versprechungen der Politiker und Baufirmen. Zu oft wurden sie nicht befragt, vertrieben und ausgegrenzt. Da sie von der brasilianischen Regierung nicht gehört werden, ist die internationale Solidarität mit den Protestbewegungen gegen Belo Monte auch den Menschen vor Ort wichtig. Die Beteiligung nicht-brasilianischer Firmen an den Baumaßnahmen, wie der deutschen Firma Voith Hydro und der österreichischen Firma Andritz, nehmen die Zivilgesellschaft anderer Staaten mit in die Verantwortung, gegen Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der „grünen Lunge“ Brasiliens zu protestieren.

Charlotte Spiewok/ Marek Burmeister


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