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Mit Selbsthilfegruppen zur umfassenden Stärkung von Frauen

Mit Selbsthilfegruppen zur umfassenden Stärkung von Frauen

  Interview mit Gandhe Sucharita vom Centre for World Solidarity, Indien

Warum und seit wann arbeitet das Centre for World Solidarity (CWS) mit Frauenselbsthilfegruppen statt mit einzelnen Frauen zusammen?

Das Konzept der Gruppenarbeit ist in den frühen 80er Jahren entstanden. Das Ziel war, die Frauenrechte auf die Tagesordnung zu setzen. Es waren Nichtregierungsorganisationen, die solche Frauengruppen formierten, es war keine Sache der Regierung. Seit seiner Gründung  hat das CWS mit solchen Frauengruppen zusammengearbeitet.

Unsere Partner haben Frauenbelange in Gruppen thematisiert, weil kollektives Handeln viel wirkungsvoller ist. Die Frauen in der Anti-Alkohol-Bewegung, die sich gegen die sexuelle Gewalt durch alkoholisierte Männer richtete, haben dann auch immer besser verstanden, dass persönliche Belange auch politische Belange sind.

Diesen Gedanken teilte das CWS von Anbeginn. Es gab also Überschneidungen mit der nationalen Frauenbewegung, die in den 80er Jahren mit den Themen Vergewaltigung und Mitgift ihren Höhepunkt erreichte.

Wann hat sich die Regierung das Konzept von Frauenselbsthilfegruppen (SHGs) zu eigen gemacht?

Das war in den späten 90er Jahren - aufgrund der Unterstützung der Weltbank. Es folgte so eine Verlagerung des Schwerpunktes von den Frauenrechten zu reinen Sparprogrammen und Kleinkrediten. Zu Beginn waren große Erfolge zu verzeichnen und die Banken haben viel Geld an Frauengruppen gegeben. Und die Frauen hofften auf Erfolge und Ansehen in der Öffentlichkeit.

Aber im Zuge der neoliberalen Ausrichtung unserer Ökonomie wurde es für die Familien und insbesondere für die Frauen schwieriger, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele Arme und Marginalisierte verloren ihr Land, ihre Arbeit und ihre Lebensgrundlagen. Sie wurden vollkommen abhängig von SHG-Krediten. Schließlich kam es bei den staatlichen SHG-Kreditprogrammen soweit, dass die Männer entschieden, wann und zu welchem Zweck Kredite aufgenommen werden sollten. Für die Tilgung blieben jedoch die Frauen zuständig.

Wann hat das CWS das staatliche Konzept der Unterstützung von SHG übernommen?

Das CWS unterstützt das rein finanziell ausgerichtete Konzept der staatlichen SHGs nicht, und die meisten CWS-Partner tun dies auch nicht. Dieses Konzept ist dafür verantwortlich, dass viele starke Frauengruppen, die zuvor zu thematischen Schwerpunkten arbeiteten, sich nun auf Sparen und Kredite konzentrieren.

Wir versuchen die frühere Situation wieder herzustellen, insbesondere im Bezug auf die Unterstützung des Empowerment von Frauen. Hier haben unsere Projektpartner begonnen, wieder Gruppen mit Frauen zu bilden, die in ihren Gruppentreffen stark themenbezogen arbeiten und nicht vorrangig an Kreditanträgen interessiert sind.

Alle CWS-Programme garantieren heute, dass unsere Partner sich in einer SHG-Gruppe Zeit für die zentralen Themen nehmen und nicht nur über Kredite reden. Einige Partner haben separate SHGs gegründet, die nicht Teil staatlicher SHG-Kredite sind. Diese haben sich themenspezifisch aufgestellt – zu ihnen gehört zum Beispiel SWARD (Seite 15 in dieser SW). So gibt es in allen fünf Bundesstaaten, in denen das CWS aktiv ist, Gruppen, die gegen Menschenhandel arbeiten, Gruppen alleinstehender Frauen und Gruppen, die sich mit häuslicher Gewalt oder Mitgift auseinandersetzen.

Wie entwickelte sich das CWS-Programm zum Frauen-Empowerment?

Unser Empowerment von Frauengruppen hat damit begonnen, frauengeführte Organisationen zu unterstützen, die sich für Frauenrechte einsetzten. Es wurde ein Bundesstaaten übergreifendes Frauennetzwerk mit einer spezifischen Agenda zu Frauenrechten gegründet.

Außerdem haben wir einzelne Frauen mit dem Potential, Frauenrechtsarbeit zu leisten, mit Stipendien unterstützt.

In einem weiteren Schritt haben wir dann Frauenrechte ‚gemainstreamt’. Das heißt, wir haben frauengeleitete NGOs in alle unsere Programme integriert. Wir achten heute auch bei den Schwerpunkten ‚natürliches Ressourcenmanagement’, ‚Gemeinschaftliche Waldbewirtschaftung’, ‚Stärkung von Dalits’, Stärkung von Adivasi’ darauf, dass Frauen gestärkt werden.

Wir, das CWS, gehen frauenspezifische Probleme wie häusliche Gewalt, Mitgift und Frauenhandel über unsere Netzwerke an. Wir finden es wichtig, diese Themen in andere Programme einzubeziehen. Das CWS will, dass Frauen in allen Bereichen ‚empowert’ und mit den Männern gleichgestellt werden, insbesondere auch bei Entscheidungsfindungen.

Das Interview führte Detlef Stüber im April 2011
Übersetzung aus dem Englischen Julia Wunderlich

 

 


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