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Projektinfo 204 / Senegal

Die Taxi Sisters und die Organisation ASAFE/Senegal:

Entschlossene Frauen öffnen für sich und andere die Tür zu einem Männerberuf

Im September 2007 wurde im Senegal von zehn Frauen die erste Taxifahrerinnenkooperative gegründet. Erstmals in der Geschichte des Landes setzen sich damit überhaupt Frauen hinter das Taxi-Steuer. Das ist eine Sensation, denn die Taxibranche war bis dahin zu 100 Prozent von Männern beherrscht. Zugleich ist die Taxifahrerinnenkooperative ein Affront gegen die patriarchalisch organisierte Welt der großen Bevölkerungsgruppen ‚Wolof' und ‚Serer' ebenso wie gegen die islamischen Bruderschaften, die große Teile des Transportsektors dominieren.
Die Idee, Frauen den Einstieg ins Taxigewerbe zu ermöglichen, ging von Frauengruppen aus. Doch die Initiative fiel in die Wahlkampfzeit vor den Präsidentschaftswahlen vom Februar 2007. So wurde die Idee von den Regierenden aufgegriffen: Das Ministerium für Frauen und weibliche Unternehmensführung vermittelte einen Kredit zwischen einem Autohändler und der Gruppe der ausgewählten ersten zehn Frauen, und Staatspräsident Abdoulaye Wade rief die Parole aus, innerhalb eines Jahres sollen aus zehn 2.000 Taxifahrerinnen werden.
Awa Fall Diop, Koordinatorin der von der ASW unterstützten Frauenorganisation ORGENS, hält das für einen großen Erfolg für die Frauenbewegung im Senegal. Das Aufgreifen dieser Idee durch die Politik sei nur möglich gewesen, weil Frauengruppen seit Jahren ihre Forderungen lautstark vertreten. Auch die Anregung, neben dem Transportsektor auch andere Wirtschaftsbereiche für Frauen zu öffnen, habe das Frauenministerium entgegengenommen.

 

Eine gute Idee…..

Die Gründung der Taxi Sisters erfolgte durch das Frauenministerium. Innerhalb seines Programms zur Förderung von selbstständigen Jobs für Frauen veröffentlichte es eine Ausschreibung für das Projekt. 800 Frauen mit Führerschein bewarben sich. Sie mussten auch Fahrpraxis nachweisen, und die, die in die engere Auswahl kamen, hatten eine Reihe von Prüfungen zu durchlaufen. Zum Beispiel wurde der Umgang mit Stress-Situationen im Verkehr getestet. So wurden aus 800 schließlich zehn Frauen ausgewählt.
Ein Autohändler, der einen billigen chinesischen Kleinwagen auf den senegalesischen Markt bringen will, stellte neue Fahrzeuge zur Verfügung. Sie glänzen in frischem Gelb und heben sich auffallend von den meist schrottreifen Fahrzeugen ab, die im ganzen Senegal als Taxis eingesetzt werden. Erstmals sollte mit diesem Experiment auch ein Taxifunk aufgebaut werden.
Die Frauen brachten neue Marketingideen ein: gepflegtes Auftreten durch eine einheitliche Arbeitskleidung mit gelber Bluse und roter Hose. Die Fahrzeuge sollen auch für Kurierdienste eingesetzt werden, eine gemeinschaftliche Werbung ist geplant.

 

…und ihre schwierige Umsetzung

Doch kaum war der Wahlkampf vorbei, interessierte sich die Politik nicht mehr für die Frauen. Schon kurze Zeit nach dem Start begann die Kooperative der Taxifahrerinnen um ihre Existenz zu kämpfen, da die männerdominierte Transportbranche gegen den Berufseinstieg der Frauen vorging.
Im täglichen Straßenverkehr kam es zu aktiven Behinderungen durch die männlichen Taxifahrer. Fast alle von den Frauen gefahrenen Neuwagen haben inzwischen Beulen. Schadenfroh unterstellen die Männer, die Frauen könnten nicht richtig fahren und hätten daher schon nach kurzer Zeit ihre Autos demoliert. So mancher soll dabei allerdings auch nachgeholfen haben.
Dazu kommen gravierende ökonomische Probleme. In Dakar gibt es keine Taximeter; der Fahrpreis wird frei ausgehandelt. Jeder Nutzer und jeder Fahrer kennt ungefähr den Preis, der für eine bestimmte Entfernung zu zahlen ist. Allerdings ist Dakar seit mehr als einem Jahr so von Baustellen überzogen, dass für manche Strecken die dreifache Zeit benötigt wird als zuvor und Taxifahrerinnen und -fahrer nicht mehr auf die notwendigen Tageseinnahmen kommen.

 

Neue Kompetenzen für einen harten Beruf

Die Nichtregierungsorganisation ASAFE, die im Auftrag des Ministeriums für Familie und weibliches Unternehmertum das Projekt ‚Taxi Sisters' begleitet, geht jetzt die genannten Schwierigkeiten an. ASAFE tat sich mit ENDA-GRAF* zusammen - gemeinsam erarbeiteten die beiden Gruppen ein Konzept für Schulungen der Taxifahrerinnen. Über ein Jahr verteilt sind jetzt Trainings in gewerkschaftlicher Organisation, Verwaltung und Finanzen, Technik, Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit geplant, damit sich die Taxi Sisters künftig wirksamer für ihre Interessen einsetzen können. Bereits abgehalten wurden zwei Workshops zu Buchführungstechniken, mit denen die Fahrerinnen ihre täglichen Einnahmen, die Unterhaltskosten des Fahrzeuges und die Rücklagen korrekter erfassen können.

 

Stärkung der Frauen gegenüber dem Autolieferanten

ASAFE hilft den Frauen aber auch, Probleme mit ihrem Autohändler und ihren Kreditrückzahlungen zu meisten. Ein Teil von diesen Problemen geht auf unfaire Verträge zurück. Während die Pflichten des beteiligten Ministeriums und des beteiligten Autohauses 'Espace', das den chinesischen Kleinwagen lieferte, völlig ungeregelt bleiben, sind die Frauen zur Rückzahlung ihres Kredites zu monatlichen Raten in Höhe 150.000 CFA (230 €) verpflichtet. Zugrunde gelegt wurde dabei ein Kaufpreis für das Auto von 12.000 € , während der Neuwagen kurze Zeit später für weniger als 7.000 € auf den Markt kam. ASAFE versucht jetzt, das Frauenministerium dazu zu bringen, für die Taxi Sisters die Vertragskonditionen mit dem Autohaus neu auszuhandeln.
Ebenso müssen die Garantiebestimmungen und die Frage der Reparaturen neu geregelt werden. Die Frauen sind bei Reparaturen und beim Kauf von Ersatzteilen von dem einen Händler abhängig, der als einziger den chinesischen Kleinwagen vertreibt. Seine Preise sind überzogen. Die Frauen, die ohnehin mit der zu hohen Rückzahlungsrate belastet sind, können sich eine ordentliche Reparatur und Wartung ihrer Autos so nicht leisten.

 

Weitere Lösungen für weitere Probleme

Auch andere Ministerien werden um Hilfe gebeten. Das Transportministerium soll die Frauen an Dienstleistungen und Serviceangeboten des öffentlichen Fuhrparks teilnehmen lassen. Eine kurze Ausbildung in KFZ-Wartung und -pflege konnte bereits realisiert werden.
Das Ministerium für Tourismus wurde aufgefordert, mit den Hotels in Dakar über verbesserte Standorte zu verhandeln. Ursprünglich hatte das Autohaus mit einigen größeren Hotels die Regelung getroffen, dass jeweils zwei Fahrerinnen der Taxi Sisters auf einem privilegierten Hotelparkplatz stehen dürfen. Doch einige Hotels halten sich nicht an die Absprache, andere wollen nur ausgewählte Frauen auf diese Plätze lassen. Und überall kommen Behinderungen durch männliche Taxifahrer dazu, die außerhalb des Hotelparkplatzes warten und die Kunden am Hotelausgang abzufangen versuchen.
In einem nächsten Schritt versucht ASAFE als betreuende Organisation, die Konfrontation mit den männlichen Berufskollegen zu vermindern. Kontakte zu Taxifahrervereinigungen und Gewerkschaften werden aufgebaut. Ein solidarisches Miteinander ist angestrebt.
Maßnahmen zur Verbesserung der Kundenbeziehungen wurden in einem weiteren Treffen besprochen. Dazu gehört die unaufgeforderte Quittung ebenso wie eine einheitliche Tarifstruktur. Kunden sollen nicht jedes Mal neu über den Fahrpreis verhandeln müssen und auch nicht Gefahr laufen, für ein und dieselbe Strecke unterschiedliche Preise zu bezahlen.
Es wird noch etwas Zeit brauchen, bis die angefangenen Aktivitäten Wirkung zeigen. ASAFE, ENDA-GRAF und die Frauen der Taxi Sisters sind aber optimistisch, dass die Taxifahrerinnen bald ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Transportsektors in Dakar sind. Und dass für Frauen künftig der Einstieg auch in andere bislang männerdominierte Berufe leichter sein wird.
Bitte unterstützen Sie die Arbeit unserer Partnerorganisation ASAFE, die mit ihrem Engagement das Projekt Taxi Sisters auf ein sicheres Fundament stellt.

Kennwort: Frauenfonds Afrika
Kenn-Nr.: 8002

Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt     
Bank für Sozialwirtschaft
Kto. 1250700
BLZ 10020500

 

IBAN: DE69100205000001250700
BIC/SWIFT: BFSWDE33BER

 


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