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Im September 2007 wurde im Senegal von zehn Frauen die erste Taxifahrerinnenkooperative
gegründet. Erstmals in der Geschichte des Landes setzen sich damit überhaupt
Frauen hinter das Taxi-Steuer. Das ist eine Sensation, denn die Taxibranche
war bis dahin zu 100 Prozent von Männern beherrscht. Zugleich ist die
Taxifahrerinnenkooperative ein Affront gegen die patriarchalisch organisierte
Welt der großen Bevölkerungsgruppen ‚Wolof' und ‚Serer'
ebenso wie gegen die islamischen Bruderschaften, die große Teile des
Transportsektors dominieren.
Die Idee, Frauen den Einstieg ins Taxigewerbe zu ermöglichen, ging von
Frauengruppen aus. Doch die Initiative fiel in die Wahlkampfzeit vor den Präsidentschaftswahlen
vom Februar 2007. So wurde die Idee
von den Regierenden aufgegriffen: Das Ministerium für Frauen und weibliche
Unternehmensführung vermittelte einen Kredit zwischen einem Autohändler
und der Gruppe der ausgewählten ersten zehn Frauen, und Staatspräsident
Abdoulaye Wade rief die Parole aus, innerhalb eines Jahres sollen aus zehn
2.000 Taxifahrerinnen werden.
Awa Fall Diop, Koordinatorin der von der ASW unterstützten Frauenorganisation
ORGENS, hält das für einen großen Erfolg für die Frauenbewegung
im Senegal. Das Aufgreifen dieser Idee durch die Politik sei nur möglich
gewesen, weil Frauengruppen seit Jahren ihre Forderungen lautstark vertreten.
Auch die Anregung, neben dem Transportsektor auch andere Wirtschaftsbereiche
für Frauen zu öffnen, habe das Frauenministerium entgegengenommen.
Die Gründung der Taxi Sisters erfolgte durch das Frauenministerium.
Innerhalb seines Programms zur Förderung von selbstständigen Jobs
für Frauen veröffentlichte es eine Ausschreibung für das Projekt.
800 Frauen mit Führerschein bewarben sich. Sie mussten auch Fahrpraxis
nachweisen, und die, die in die engere Auswahl kamen, hatten eine Reihe von
Prüfungen zu durchlaufen. Zum Beispiel wurde der Umgang mit Stress-Situationen
im Verkehr getestet. So wurden aus 800 schließlich zehn Frauen ausgewählt.
Ein Autohändler, der einen billigen chinesischen Kleinwagen auf den senegalesischen
Markt bringen will, stellte neue Fahrzeuge zur Verfügung. Sie glänzen
in frischem Gelb und heben sich auffallend von den meist schrottreifen Fahrzeugen
ab, die im ganzen Senegal als Taxis eingesetzt werden. Erstmals sollte mit
diesem Experiment auch ein Taxifunk aufgebaut werden.
Die Frauen brachten neue Marketingideen ein: gepflegtes Auftreten durch eine
einheitliche Arbeitskleidung mit gelber Bluse und roter Hose. Die Fahrzeuge
sollen auch für Kurierdienste eingesetzt werden, eine gemeinschaftliche
Werbung ist geplant.
Doch kaum war der Wahlkampf vorbei, interessierte sich die Politik nicht
mehr für die Frauen. Schon kurze Zeit nach dem Start begann die Kooperative
der Taxifahrerinnen um ihre Existenz zu kämpfen, da die männerdominierte
Transportbranche gegen den Berufseinstieg der Frauen vorging.
Im täglichen Straßenverkehr kam es zu aktiven Behinderungen durch
die männlichen Taxifahrer. Fast alle von den Frauen gefahrenen Neuwagen
haben inzwischen Beulen. Schadenfroh unterstellen die Männer, die Frauen
könnten nicht richtig fahren und hätten daher schon nach kurzer
Zeit ihre Autos demoliert. So mancher soll dabei allerdings auch nachgeholfen
haben.
Dazu kommen gravierende ökonomische Probleme. In Dakar gibt es keine
Taximeter; der Fahrpreis wird frei ausgehandelt. Jeder Nutzer und jeder Fahrer
kennt ungefähr den Preis, der für eine bestimmte Entfernung zu zahlen
ist. Allerdings ist Dakar seit mehr als einem Jahr so von Baustellen überzogen,
dass für manche Strecken die dreifache Zeit benötigt wird als zuvor
und Taxifahrerinnen und -fahrer nicht mehr auf die notwendigen Tageseinnahmen
kommen.
Die Nichtregierungsorganisation ASAFE, die im Auftrag des Ministeriums für Familie und weibliches Unternehmertum das Projekt ‚Taxi Sisters' begleitet, geht jetzt die genannten Schwierigkeiten an. ASAFE tat sich mit ENDA-GRAF* zusammen - gemeinsam erarbeiteten die beiden Gruppen ein Konzept für Schulungen der Taxifahrerinnen. Über ein Jahr verteilt sind jetzt Trainings in gewerkschaftlicher Organisation, Verwaltung und Finanzen, Technik, Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit geplant, damit sich die Taxi Sisters künftig wirksamer für ihre Interessen einsetzen können. Bereits abgehalten wurden zwei Workshops zu Buchführungstechniken, mit denen die Fahrerinnen ihre täglichen Einnahmen, die Unterhaltskosten des Fahrzeuges und die Rücklagen korrekter erfassen können.
ASAFE hilft den Frauen aber auch, Probleme mit ihrem Autohändler und
ihren Kreditrückzahlungen zu meisten. Ein Teil von diesen Problemen geht
auf unfaire Verträge zurück. Während die Pflichten des beteiligten
Ministeriums und des beteiligten Autohauses 'Espace', das den chinesischen
Kleinwagen lieferte, völlig ungeregelt bleiben, sind die Frauen zur Rückzahlung
ihres Kredites zu monatlichen Raten in Höhe 150.000 CFA (230 €)
verpflichtet. Zugrunde gelegt wurde dabei ein Kaufpreis für das Auto
von 12.000 € , während der Neuwagen kurze Zeit später für
weniger als 7.000 € auf den Markt kam. ASAFE versucht jetzt, das Frauenministerium
dazu zu bringen, für die Taxi Sisters die Vertragskonditionen mit dem
Autohaus neu auszuhandeln.
Ebenso müssen die Garantiebestimmungen und die Frage der Reparaturen
neu geregelt werden. Die Frauen sind bei Reparaturen und beim Kauf von Ersatzteilen
von dem einen Händler abhängig, der als einziger den chinesischen
Kleinwagen vertreibt. Seine Preise sind überzogen. Die Frauen, die ohnehin
mit der zu hohen Rückzahlungsrate belastet sind, können sich eine
ordentliche Reparatur und Wartung ihrer Autos so nicht leisten.
Auch andere Ministerien werden um Hilfe gebeten. Das Transportministerium
soll die Frauen an Dienstleistungen und Serviceangeboten des öffentlichen
Fuhrparks teilnehmen lassen. Eine kurze Ausbildung in KFZ-Wartung und -pflege
konnte bereits realisiert werden.
Das Ministerium für Tourismus wurde aufgefordert, mit den Hotels in Dakar
über verbesserte Standorte zu verhandeln. Ursprünglich hatte das
Autohaus mit einigen größeren Hotels die Regelung getroffen, dass
jeweils zwei Fahrerinnen der Taxi Sisters auf einem privilegierten Hotelparkplatz
stehen dürfen. Doch einige Hotels halten sich nicht an die Absprache,
andere wollen nur ausgewählte Frauen auf diese Plätze lassen. Und
überall kommen Behinderungen durch männliche Taxifahrer dazu, die
außerhalb des Hotelparkplatzes warten und die Kunden am Hotelausgang
abzufangen versuchen.
In einem nächsten Schritt versucht ASAFE als betreuende Organisation,
die Konfrontation mit den männlichen Berufskollegen zu vermindern. Kontakte
zu Taxifahrervereinigungen und Gewerkschaften werden aufgebaut. Ein solidarisches
Miteinander ist angestrebt.
Maßnahmen zur Verbesserung der Kundenbeziehungen wurden in einem weiteren
Treffen besprochen. Dazu gehört die unaufgeforderte Quittung ebenso wie
eine einheitliche Tarifstruktur. Kunden sollen nicht jedes Mal neu über
den Fahrpreis verhandeln müssen und auch nicht Gefahr laufen, für
ein und dieselbe Strecke unterschiedliche Preise zu bezahlen.
Es wird noch etwas Zeit brauchen, bis die angefangenen Aktivitäten Wirkung
zeigen. ASAFE, ENDA-GRAF und die Frauen der Taxi Sisters sind aber optimistisch,
dass die Taxifahrerinnen bald ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Transportsektors
in Dakar sind. Und dass für Frauen künftig der Einstieg auch in
andere bislang männerdominierte Berufe leichter sein wird.
Bitte unterstützen Sie die Arbeit unserer Partnerorganisation ASAFE,
die mit ihrem Engagement das Projekt Taxi Sisters auf ein sicheres Fundament
stellt.
| Kennwort: Frauenfonds Afrika Kenn-Nr.: 8002 Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | |
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| Kto. 1250700 BLZ 10020500
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