Projektinfo 192 / Westafrika

UCEM, Senegal

Schritt für Schritt, aber auf eigenen Beinen

Immer wieder, wenn Morou M'bou, Dorfvorsteher in Sara Niama im Osten des Senegal, ins Nachbardorf Koungheul Socé kam, gab es dort etwas Neues, das sein Interesse weckte. Da war die gemeinschaftliche Ziegenherde, die von einem Jungen des Dorfes gehütet und von den Gärten ferngehalten wurde. Auch die Felder der Bauern sahen ganz anders aus als zu Hause, weil die Überreste der vorigen Ernte nicht abgebrannt wurden, sondern stehen blieben bis zur neuen Pflanzzeit, um der Erde und den jungen Pflänzchen Schutz vor Wind und Austrocknung zu geben. Wie man hörte, sparten sich die Bauern dadurch sogar Geld für den Dünger, und Bauer aus Koungheul Socétrotzdem waren die Ernten besser als zuvor.

Und was lagerte wohl in dem neuen Getreidespeicher, der für eine Familie allein viel zu groß war? Sara Camara, ein junger Bauer aus Koungheul Socé, erklärte es ihm gerne. "Wir haben den Familien im Dorf einen Teil ihrer Ernteüberschüsse abgekauft und hier eingelagert. Wenn nun nach der Trockenzeit viele Familien nichts mehr zu essen haben, können sie aus diesen Vorräten Nahrungsmittelhilfe bekommen. Dann müssen die Leute nicht mehr auf fremden Feldern arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern können sich mit voller Kraft ihrer eigenen Aussaat widmen. Mit der neuen Ernte zahlen sie die Nahrungsmittel mit Zinsen zurück." Morou M'bou konnte seine Zweifel nicht verhehlen: Würden die Familien den "Kredit" tatsächlich zurückzahlen? Woher kam das Geld, mit dem der Gemeinschaftsvorrat angelegt wurde? Wer entschied darüber, wer die Hilfe tatsächlich brauchte?

Als Sara Camara es ihm erklärt hatte, verstand Morou, dass kein Wunder geschehen war, sondern harte Arbeit, viel Geduld, der Kampf gegen das Misstrauen zwischen den einzelnen Familien, und auch Unterstützung von außen hinter diesen Neuerungen steckten.
Schon 1998 hatten einige meist jüngere Bauern in Koungheul Socé die Organisation CDEKS zur ökologischen Dorfentwicklung gegründet. Denn die Bedingungen für die Landwirtschaft waren wie in den meisten Gemeinden des Landes immer schwieriger geworden. Die Mitglieder von CDEKS wussten, dass sie nur gemeinsam grundlegende Änderungen erreichen konnten. Sie entwickelten Gemeinschaftsprojekte und schafften es, ihre Erträge zu verbessern, neue und gewinnträchtigere Vermarktungswege zu finden und die Erosion aufzuhalten.

 

Aus Einzelkämpfern werden Gemeinschaften

Und sie waren bereit, ihre Erfahrungen zu teilen. Informell unterstützten sie die Nachbargemeinden mit Getreide aus dem Nahrungsmittelfonds und mit ihrem Wissen zum ökologischen Landbau. Und sie hörten zu, welche Lösungen die anderen Dörfer für ihre Probleme gefunden hatten. Im Jahr 2003 wurde beschlossen, dem informellen Austausch eine feste Basis zu geben, und man gründete die Organisation UCEM, die "Union der Öko-Komitees des Tals von Mininky", in der heute 15 solcher Komitees zusammengeschlossen sind.

Zwei Gemeinschaftsprojekte konnten in der kurzen Zeit schon durchgeführt werden, die zwei der größten Probleme lösen: die Bodenerosion, und den Mangel an Geld für dringende Investitionen. In Koungheul Socé wurde eine Baumschule eingerichtet, in der 10.000 Setzlinge für Obst- und andere Bäume gezüchtet wurden. Zu Beginn der diesjährigen Regenzeit wurden die Bäumchen an Wasserläufen, in Höfen und Gärten ausgepflanzt, um der Erosion und dem Versanden der Böden vorzubeugen.
Und der gemeinschaftliche Kreditfonds hat seine Arbeit aufgenommen. Aus Ersparnissen der Mitglieder und einem von UCEM akquirierten Grundstock konnten bereits 113 Personen kleine Kredite erhalten und ihre Viehhaltung ausweiten, kleine Geschäfte einrichten oder Materialien für den Gartenbau erwerben.

Dennoch geht es manchen nicht schnell genug: Wann bekommen wir neues Werkzeug? Wer löst unsere Probleme mit den durchziehenden Viehhaltern, die unsere Felder zerstören? Wann wird endlich der Brunnen gebaut? In solchen Momenten wird deutlich, wie wertvoll die Erfahrungen von Koungheul Socé sind. Wenn die "alten Hasen" daran erinnern, wie lange es bei ihnen gedauert hat, bis erste Erfolge sichtbar waren, hören alle zu. Und sie verstehen, dass sich die Dörfer nur gut entwickeln werden, wenn die Planungen für die Zukunft von den Menschen selbst kommen.

Wichtiger Schwerpunkt der Arbeit von UCEM wird deshalb auch in nächster Zeit sein, die BewohnerInnen des Mininky-Tals zu befähigen, ihre Probleme zu analysieren, Einigungen zu treffen und ihren eigenen Entwicklungsplan umzusetzen, anstatt auf schnelle Hilfe von außen zu warten. Dafür braucht UCEM weiterhin Ihre Unterstützung.

 

  Kennwort: Umweltfonds Afrika
Kenn-Nr.: 8003

Bankverbindungen: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt
 
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Spendensiegel des DZI

Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) bestätigt
mit seinem Gütesiegel die korrekte Planung, Durchführung und
Kontrolle der Projektarbeit der ASW.

 


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