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Projektinfo 209 / Indien
„Wenn es regnet können wir hier unter dem Baum nicht mehr lernen – alles wird nass“. Der sechsjährige Rajesh bittet: „Jetzt haben wir endlich einen Lehrer, aber lasst uns auch eine trockene Schule haben.“
Heute scheint die Sonne und der Unterricht im Dorf Arka Kuda findet regulär statt. Fast alle Kinder sind laut Aussage des Lehrers zum Unterricht erschienen. Und die meisten kommen inzwischen sogar gerne, sofern es ihre sonstigen Aufgaben in Landwirtschaft und Familie erlauben. Alle warten jetzt darauf, dass das neue kleine Schulgebäude fertig wird.
Arka Kuda ist kein reiches Dorf. Die meisten Einwohner besitzen kaum Land und hängen hauptsächlich von den Produkten des Waldes ab. Dass Arka Kuda einen Lehrer hat, der die Grundschulkinder mit viel Engagement unterrichtet, ist schon einiges. Aber er ist ein Kastenloser. Dalits, wie sich die Kastenlosen in Indien nennen, gelten in vielen Gegenden Indiens noch immer als unrein und haben keinen Zutritt zu Gebäuden höherkastiger Menschen. Auch in Arka Kuda hat sich die diskriminierende Einstellung gegenüber Dalits gehalten. So darf der Lehrer das zum Tempel gehörende Gemeindehäuschen, das früher bei Bedarf als Schulgebäude genutzt wurde, nicht betreten. Seinen Unterricht muss er im Freien abhalten. Einige Eltern, die sich als höherwertig empfinden, sind sogar grundsätzlich dagegen, dass ihre Kinder von einem Dalit unterrichtet werden.
So fand der Unterricht in Arka Kunda bis vor kurzem nur sporadisch und lange nicht für alle Kinder statt. Hinzu kam, dass in der Erntezeit Kinder ihren Familien helfen mussten statt für ihre Zukunft zu lernen.
Aber einige Eltern wollten das nicht hinnehmen und riefen das Team von YOUNG INDIA zu Hilfe. Gemeinsam sprach man darüber, was es bedeutet, wenn die Kinder keine gute Ausbildung erhalten. Auch die kürzlich eingeführte Schulpflicht und das Recht für alle auf einen kostenfreien Schulbesuch waren Thema. YOUNG INDIA konnte schließlich auch bei den höherkastigen Eltern Sympathien für den engagierten Lehrer wecken. Immerhin war er im Gegensatz zu vorherigen überhaupt bereit, zum Unterrichten in das abgelegene Dorf zu kommen.
Es wurde ein Kompromiss gefunden. YOUNG INDIA half, bei der Schulverwaltung Gelder für ein kleines Schulgebäude zu beantragen und die Gemeinde stellte eine Fläche außerhalb der Dorfgrenzen, doch in unmittelbarer Nähe bereit. So kann der Unterricht bald durchgängig stattfinden. Dank der Überzeugungsarbeit von YOUNG INDIA und dank des engagierten Lehrers kommen die Kinder schon jetzt, noch bevor das Gebäude steht, immer regelmäßiger. Die Lernerfolge sind bereits deutlich zu sehen.
Auch im einige Kilometer entfernten Dorf Gundhi hat das Engagement von YOUNG INDIA Früchte getragen. Der Unterricht findet hier regulär im Tempelgebäude statt. Die Kinder und Lehrer gehören den „reinen“ Kasten an. Nur die achtjährige Sita kommt aus einer Dalitfamilie und musste daher bis vor kurzem vor dem Schulgebäude sitzen und von dort dem Unterricht folgen. YOUNG INDIA erfuhr von Sitas Leid, sprach erst im Dorf vor und schaltete nach erfolglosen Bemühungen bei der Schulbehörde die Presse ein. Die machte publik, dass in einer staatlichen Schule ein Kind derartig gedemütigt wurde.
Nach Erscheinen der Zeitungsberichte und weil die MitarbeiterInnen von YOUNG INDIA weiterhin viel Wirbel machten, wurde die Schulbehörde schließlich aktiv. So erreichte YOUNG INDIA, dass die Diskriminierung von Sita beendet wurde. Sita darf seitdem in ihrer Klassengruppe im Gebäude sitzen. Die Kinder nehmen nun sogar die Schulmahlzeit gemeinsam ein.
YOUND INDIA ist heute in der Region dafür bekannt, solche Fälle äußerst erfolgreich an das Licht der Öffentlichkeit zu ziehen und für alle Seiten vertretbare Lösungen auszuhandeln. Viele ehrenamtliche Mitstreiter haben sich gefunden, die sich in ihrer direkten Umgebung für die Menschen und besonders die Kinder einsetzen. Einer von ihnen ist der pensionierte Lehrer Rakesh Kumar: „Ich habe in meinem Leben so viel Ungerechtigkeit gesehen. Das wollte ich schon immer ändern. Heute haben wir bereits mehrere hundert Fälle aufgreifen können. Heute darf die kleine Sita wie alle anderen in der Schule lernen.“
Bitte spenden Sie, damit YOUNG INDIA für noch viel mehr Kinder Gerechtigkeit schaffen kann.
| Kennwort: Perspektivenfonds Indien Kenn-Nr.: 9091 Bankverbindung: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt | |
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